| Hydrogeographie
- Eine geographische Gewässerkunde des Binnenlandes
Wasserkreislauf / Wasserdargebot
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Das
Wassergleichnis von Goethe:
Vom
Himmel kommt es,
zum Himmel steigt es,
und wieder nieder zur Erde muss es,
ewig wechselnd
Das
Wasser auf der Erde befindet sich in einem ständig fortlaufenden
Kreislaufsystem. Hierbei mag Heraklits Ausspruch gelten "alles
fliesst" (panta rei), denn das Wasser ist einem fortwährendem
Wechsel unterzogen.

Abb.1: Globaler Wasserkreislauf der Erde. Aus: http://www.dkrz.de
Es
werden drei Wasserkreisläufe unterschieden (Pleiß 1977;
vgl. Abb.1):
1.
Meer - Atmosphäre - Meer
2.
Meer - Atmosphäre - Land - Meer
3.
Meer - Atmosphäre - Land
Globaler
Wasserkreislauf
Das
Wasser (vgl. Abb.1) zirkuliert in einem großen
Wasserkreislauf (bezogen auf die Umsatzmenge) zwischen der
Atmos- und Hydrosphäre über den Ozeanen und Meeren. Ein
kleiner Wasserkreislauf erfolgt zwischen
der Hydrosphäre der Ozeane und Meere über die Atmosphäre
und der Landmasse der Kontinente.
Wasser
wird durch Zufuhr von Sonnenenergie und die hieraus folgende Erwärmung
der Atmosphäre verdunstet (Verdunstung).
Der aufsteigende Wasserdampf kann zu Wolken kondensieren und aufgrund
der Erddrehung von Winden transportiert werden. Als Niederschlag
gelangt das Wasser auf Kontinente oder die Ozeane und Meere. Der
große Wasserkreislauf über den Weltmeeren ist hierbei
abgeschlossen. Wesentliches Element des kleinen Wasserkreislaufs
ist das auf den Kontinenten abfliessende Wasser - der Abfluss.
Der Abfluss schließt den kleinen Wasserkreislauf, außerdem
sind beiden Wasserkreisläufe über den Abfluss der Kontinente
zu den Weltmeeren miteinander gekoppelt.

Abb.2: Globaler Wasserkreislauf als geschlossenes Zirkulationssystem.
Aus: WBGU (1997)
Das
Zirkulationssystem des globalen Wasserkreislaufs ist ein geschlossenes
System (vgl. Abb.2). Wasser zirkuliert und verändert seinen
Zustand zwischen den Vorratsräumen oder Speichern. Als wichtigste
Speicher des Wassers dienen (in Klammern = Wasservolumen in 1000
km3, nach WBGU 1997):
- Ozeane
/ Meere (1.338.00)
- Polareis
/ Gletscher (24.000)
- Grundwasser
(10.800)
- Stillgewässer
(Seen und Sümpfe) (102)
- Bodenwasser
(16,5)
- Atmosphäre
(12,9)
- Fliessgewässer
(2,1)
- Biomasse
(1,1)
Die
einzelnen Elemente des Wasserkreislaufs (Verdunstung, Niederschlag
und Abfluss) werden im Kapitel "Wasserhaushalt"
eingehender behandelt.
Die
Betrachtung des kleinen Wasserkreislaufs ist für die Hydrogeographie
von besonderem Interesse, handelt es sich hierbei um die Kreislaufkomponenten
der Binnengewässer. Hierbei ist - bezogen auf ein Skalenniveau
oder Maßstab - der Regionale
Wasserkreislauf von Bedeutung. Bezogen auf ein zu
bestimmendes Gebiet werden die einzelnen Wasserkreislaufelemente
flächenbezogen analysiert. Meist sind die betrachteten Gebiete
einzelne Kontinente. Es werden jedoch auch Großlandschaften,
Strom- und Flussgebiete, Staatsgebiete (Länder) oder Vegetations-
und Klimaräume (oder Biome) untersucht.
Die
Analyse des Lokalen Wasserkreislaufs
erfolgt auf Ebene von Einzugsgebieten. Aber auch hier können
spezifische Fragestellungen zu speziellen Gebietsbetrachtungen führen,
z.B. Gebiete mit spezieller Land- oder Bodennutzung, Böden
(Pedotope), geologischem Untergrund oder Lokalklima (vgl. Baumgartner
und Liebscher 1996, Kap. 5.5.6 bis 5.5.7)
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Wasserdargebot
Das
Wasserdargebot ist die Menge an Süßwasser die aus dem
natürlichen Wasserkreislauf für eine bestimmte Zeit (z.B.
ein Jahr) in einem bestimmten Gebiet als Ressource zur Verfügung
steht.
In
der Wasserwirtschaft ist das Wasserdargebot eine wichtige Größe
als Grundlage zur quantitativen Berechnung der zur Verfügung
stehenden Wassermenge in Einzugsgebieten. Es kann ein potentielles
Wasserdargebot und ein genutztes Wasserdargebot unterschieden werden:
| Nutzung |
Mrd. Kubikmeter |
Prozent |
| Landwirtschaft |
0,1 |
0,1 |
| Wärmekraftwerke
für die öffentliche Versorgung |
24,8 |
13,2 |
| Bergbau
und Verarbeitendes Gewerbe |
7,8 |
4,1 |
| Öffentliche
Wasserversorgung |
5,4 |
2,9 |
| Ungenutzt |
150,0 |
79,8 |
| Potentielles
Wasserdargebot |
188,1 |
100 |
Tab.1:
Wasserdargebot und Wassernutzung in Deutschland (2001). Daten nach
Statistisches Bundesamt.
Das
potentielle Wasserdargebot - also die
Menge an Süßwasser die natürlicher Weise aus dem
Wasserkreislauf zur Verfügung steht - beträgt in
Deutschland 188 Mrd. Kubikmeter. Davon werden 20,2 Prozent
(= 38,1 Mrd. Kubikmeter) genutzt (vgl. Tab.1), wobei Wärmekraftwerke
für die öffentliche Versorgung einen erheblichen Anteil
tragen. Legt man eine Bevölkerungszahl von 82,22 Mio. Einwohnern
in Deutschland zu Grunde, so beträgt das zur verfügbare
Süßwasser pro Kopf (in einem Jahr) 2286 Kubikmeter. Das
enspricht einer verfügbaren Wassermenge von 6.263 Liter pro
Kopf und pro Tag. Als Trinkwasser nutzen wir in Deutschland 127
Liter pro Kopf und pro Tag als Trinkwasser.
Die
Zahlen zum Wasserdargebot in Deutschland machen klar das wir nicht
unter Wassermangel leiden.
Allerdings
ist das Wasserdargebot auf der Erde ungleich verteilt, so dass es
vor allem in ariden Klimagebieten zu Wassermangel kommt.
Als
Wassermangel können unterschieden werden (ENGELMANN, DYE und
LEROY, 2000):
-
periodischer Wassermangel
oder Wasserknappheit,
wenn zwischen 1700 und 1000 Kubikmeter Wasser pro Kopf und Jahr
zur Verfügung stehen
- chronischer
Wassermangel, wenn weniger als 1000 Kubikmeter
Wasser pro Kopf und Jahr zur Verfügung stehen
- absoluter
Wassermangel, wenn weniger als 500 Kubikmeter
Wasser pro Kopf und Jahr zur Verfügung stehen
Die
folgende Tabelle gibt einen Überblick zu den Staaten wo chronischer
Mangel herrscht bzw. in Zukunft zu erwarten ist:
| Wassermangel |
Kubikmeter
pro Kopf (ein Jahr) |
| Kuweit |
10 |
| Vereinigte
Arabische Emirate |
61 |
| Libyen |
107 |
| Saudi
Arabien |
111 |
| Jordanien |
132 |
| Singapur |
168 |
| Jemen |
226 |
| Israel |
346 |
| Oman |
388 |
| Tunesien |
430 |
| Algerien |
454 |
| Burundi |
538 |
| Ruanda |
815 |
| Ägypten |
851 |
| Wasserknappheit |
|
| Kenia |
1004 |
| Marokko |
1058 |
| Großbritannien |
1058 |
| Belgien |
1207 |
| Südafrika |
1238 |
| Somalia |
1337 |
| Haiti |
1338 |
| Polen |
1450 |
| Libanon |
1463 |
| Burkina
Faso |
1466 |
| Südkorea |
1488 |
| Peru |
1559 |
Tab.2:
Wassermangel auf der Erde (nach ENGELMANN, DYE und LEROY, 2000)
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Wasserbilanz
Die
quantitativen Angaben zur Menge der einzelnen Wasserkreislaufelemente
(V=Verdunstung, N=Niederschlag und A=Abfluss) ist das Hauptanliegen
der Wasserbilanzierung. Im Wasserhaushalt der Erde stehen die Wasserkreislaufelemente
in einem einfachen Zusammenhang - der Wasserhaushaltsgleichung:
A
= N - V
A
= Abfluss (AL=Land)
N = Niederschlag (NL=Land; NM=Meer;
NE=Erdoberfläche)
V = Verdunstung (VL=Land; VM=Meer;
VE=Erdoberfläche)
Grundgleichung
für die Erdoberfläche (großer Wasserkreislauf):
VE
= NE
|
Die
Wasserhaushaltskomponenten Abfluss, Niederschlag und Verdunstung
setzen sich wiederum aus unterschiedlichen Komponenten zusammen
(siehe Kapitel "Wasserhaushalt"). Die Erforschung des
globalen Wasserkreislaufs und seine Bilanzierung schaut auf eine
100-jährige Geschichte (vgl. Abb.3).

Abb.3: Wasserhaushaltsbilanzen der Erde. Aus: Marcinek (2005)
Unabhängig
von der Schwierigkeit die Wassermenge im globalen Wasserkreislauf
zu bilanzieren, was sich an den Schwankungen der Daten zeigt (Abb.
3), sind die allgemeinen Fakten zum globalen Wasservorkommen der
Erde klar:
Die
Erde ist mit ca. 71 % mit Wasser bedeckt, den Rest nehmen die Kontinente
ein. Die Verteilung der gesamten Wassermenge der Erde zeigt Abb.4:

Abb.3: Wasserhaushaltsbilanzen der Erde. Aus: http://www.wasserkonflikt.de
Lediglich
2,5 % des globalen Wasservorkommens ist Süßwasser und
weniger als 1 % sind wiederum hiervon vom Menschen als Ressource
nutzbar, da der Haupanteil des Süßwassers der Landmassen
in Eiskappen und Gletschern gespeichert ist (vgl. Tab.3 und Abb.4).
| Vorkommen |
Menge
in 103 km2 |
in
Prozent % |
| Salzwasser
der Ozeane |
1.350.400 |
97,58 |
| Eiskappen,
Gletscher |
26.000 |
1,87 |
| Grundwasser |
7.000 |
0,51 |
| Bodenfeuchte |
150 |
0,01 |
| Seen
(Süßwasser) |
125 |
0,009 |
| Salzseen |
105 |
0,007 |
| Wasser
in Biomasse |
50 |
0,004 |
| Wasserdampf
in Atmosphäre |
13 |
0,001 |
| Flüsse |
1,7 |
0,0001 |
Tab.3:
Wassermengen der Erde (nach Pleiß, 1977) 
Abb.4: Wasserverteilung auf der Erde. Nach WBGU 1997, verändert
und ergänzt
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Text: M.Reiss
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