| Hydrogeographie
- Eine geographische Gewässerkunde des Binnenlandes
Wasser / Eigenschaften
Wasser
ist ein einzigartiger und faszinierender Stoff der die gesamte Geosphäre
mit seinen Teilsystemen durchdringt: Wasser ist in der Atmosphäre,
im Boden, im Gestein, in den Lebewesen und schließlich in
den Speichern wie Ozeane, Seen, Flüsse, Schnee, Eis, usw.
Wasser
kommt auf der Erde in allen drei Aggregatszuständen vor: flüssig,
fest und gasförmig. Chemisch besteht Wasser aus Wasserstoff
und Sauerstoff:

Abbildung
aus: Heyn et al. 2004
Zwei
Wasserstoffatome gehen eine Verbindung mit einem Sauerstoffatom
ein (siehe Abb.). Die beiden Wasserstoffatome stehen sich in einem
charakteristischen Winkel von 104,5 Grad gegenüber: Ein sog.
Dipol mit einer positiven Ladung auf der einen Seite und einer negativen
Ladung auf der anderen Seite des Wassermoleküls. Diesen Eigenschaft
führt dazu, dass sich Wassermoleküle gegenseitig anziehen
können und Cluster (Molekülaggregate) bilden. Diese sind
bei niedrigen Temperaturen stabil, werden bei zunehmender Wärme
allerdings instabil.
Die
Moleküleigenschaften sind die Ursache für die besondere
Oberflächenspannung des Wassers. Der Zusammenhalt der Wasserstoffmoleküle
bzw. der Aggregate untereinander wird als Kohäsion bezeichnet.
Haftet das Wasser an anderen Medien, z.B. an der Glaswand eines
Reagenzglases, so bezeichnet man diese Haftfähigkeit als Adhäsion,
wobei die Wasseroberfläche einen kleinen Meniskus bildet. Diese
Eigenschaft führt in röhrenförmigen Systemen zu einem
Auf- und Abstieg des Wassers (= Kapillarität). So kann sich
Wasser in haarfeinen Spalten im Boden horizontal bewegen.
Weitere
physikalische Eigenschaften fasst die folgende Tabelle zusammen:

Aus:
Grohmann 1982
Die
Wärmeleitfähigkeit von Wasser ist sehr gering. Es bedarf
eines hohen Energieaufwands, damit sich Wasser erwärmt. Für
1 kg Wasser müssen 2257 kJ zugeführt werden, damit es
verdampft. Die gleiche Energie wird als Wärme frei, wenn Wasser
kondensiert (= Kondensationswärme). Wasser ist aber auch ein
sehr guter Wärmespeicher bzw. gibt Wärmeenergie langsam
ab. Dieses Phänomen führt beispielsweise zu ausgeglicheneren
Wärmeamplituden in See- und Meeresnähe (Ozeanität
des Klimas) und ist Ursache des See-Land-Windsystems.
Reines
Wasser ist geruchs-, geschmacks- und farblos. Es ist ein Lösungsmittel
für zahlreiche Substanzen, die sich meist im Wasser auflösen
(= dissoziieren). Die Lösungskraft des Wassers ist eine bedeutende
Eigenschaft, die z.B. bei der Verwitterung und der Bodenbildung
eine wichtige Komponente darstellt. Als physiologisch wichtige Eigenschaft
ist die Quellfunktion des Wassers für Eiweiße sehr wichtig
für Prozesse in pflanzlichen und tierischen Zellen. Ohne Wasser
sind Organismen nicht lebensfähig.
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Text: M.Reiss
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