HYDROGEOGRAPHIE.DE

Eine geographische Gewässerkunde des Binnenlandes

Dipl.-Geograph M. Reiss / Marburg, Lahn

Aktivitäten

LEBENSRAUM QUELLE (AG QUELLEN DGL-AK LEBENSRAUM GRUNDWASSER)

 

SickerquelleQuellen sind Orte eines räumlich eng begrenzten Grundwasseraustritts (DIN 4049).

Allein diese klassische Definition aus der Hydrologie wird der Typenvielfalt von Quellen nicht gerecht.

Aufgrund der zahlreichen Kombinationsmöglichkeiten abiotischer (Gestein, Boden, Klima, Wasserchemismus) und biotischer (Pflanzen, Tiere, Konkurrenz, Ernährungsweise) Faktoren sind Quellen als Kleinstbiotope komplexe Lebensräume.

"Jede Quelle ist anders" ist eine vielzitierte Weisheit, die eine interdisziplinäre Forschung notwendig macht. Und auch der Umstand, dass Quellen zu den "vergessenen Lebensräumen" gezählt werden müssen, erfordert ein aufmerksames Interesse der Erforschung dieser Ökotope.

Die enge Verzahnung mit den Lebensräumen des Grundwassers und der Gewässersohle zeigt die herausragende Bedeutung der Quellen als ökologisches Forschungsobjekt.

Hierzu hat sich bei der Deutschen Gesellschaft für Limnologie der Arbeitskreis "Lebensraum Grundwasser" gegründet (siehe Artikel), der zur Erforschung der Quellen beitragen möchte.

 

AG QUELLEN

Logo DGLDie Arbeitsgruppe Quellen beim Arbeitskreis Lebensraum Grundwasser der Deutschen Gesellschaft für Limnologie ist ein interdisziplinäres Experten-Netzwerk zur Quellenforschung und zum Quellenschutz.

Die AG Quellen beschäftigt sich vor allem mit Themen, wie Quellentypologie, Erfassung und Bewertung von Quellen sowie Fauna und Biozönose.

Als Netzwerk ist ein Austausch mit unterschiedlichen Akteuren sehr wünschenswert. Fragen und Mitarbeit sind willkommen.

Kontakt:

Martin Reiss - Ockershäuser Allee 50 - D-35037 Marburg

Telefon: +49 (06421) 48 19 97

E-Mail: mreiss2@web.de

 

Members or associated Members: WORD-DOC (download)

Zur Website des AK Lebensraum Grundwasser bei der DGL finden Sie HIER

 

Übersicht zu Quellenprojekten

 

Kalter BornQuellenkartierung Lahnberge

Durchführung: Landesverband für Höhlen- und Karstforschung in Hessen.

Bearbeiter: Dipl.-Geogr. Martin Reiss und Stefan Zaenker.

Gebiet: Lahnberge bei Marburg, Hessen. Mittelgebirgslandschaft im mittleren Bundsandstein. Naturräumliche Haupteinheit "Marburg-Gießener Lahntal" (Westhessisches Berg- und Senkenland) nach KLAUSING (1988). Naherholungsgebiet im Einzugsbereich der Stadt Marburg. Wald- bzw. Forstgebiet.

Projektskizze: Ökologische Erfassung möglichst aller auffindbarer Quellen. Kartierung der Fauna, Vegetation, Hydrochemie, Gewässerstruktur; naturschutzfachliche Einschätzung. Artenerfassung im Rahmen von NATIS und dem Biospeläologischen Kataster von Hessen (ZAENKER 2001). Methodische Untersuchung (Methodenerprobung und -weiterentwicklung) nach REISS (2002) und dem Aktionsprogramm Quellen des LBV (in Entwicklung).

Erste Kartierergebnisse liegen vor. Das Projekt befindet sich jedoch in der laufenden Ausführungsphase.

Geplant: Ökologisches Gutachten zur Bewertung der Quellen und zur Ableitung von Handlungsempfehlungen (Quellenschutz)

Das Projekt erfolgt bislang ehrenamtlich und eigenfinanziert. Interessierte Sponsoren können sich gerne engagieren.

KONTAKT:

Martin Reiss: Tel.: 06421-481997; Mail: mreiss2@web.de

Stefan Zaenker: Tel.: 0661-9529367; Mail: webmaster@hfc-hersfeld.de

Tag der Artenvielfalt in der Rhön

 

Am 8.6.2004 fand der "Tag der Artenvielfalt" in Verbindung mit dem Revitalisierungsprojekt "Rhön im Fluss" statt. Der "Tag der Artenvielfalt" geht auf eine Initiative des Magazins "Geo" zurück und wird jedes Jahr bundesweit durchgeführt. Hierbei sollen an einem Tag möglichst viele Pflanzen- und Tierarten in einem Gebiet bzw. einer Region erfasst werden. Eine breite Öffentlichkeit ist hierbei herzlich willkommen und kann sich über die Natur vor der Haustür informieren.

In dem Biosphärenreservat der Rhön - einem einzigartigen Mittelgebirgsraum im Ländereck Bayern, Hessen und Thüringen - wurden im Einzugsgebiet der Bäche/Flüsse Ulster und Weidbach von den Mitgliedern der AG Quellen Stefan Zaenker (Fauna) und Martin Reiss (Flora) Quellbiotope kartiert. Die Ergebnisse sind u.a. auf den Internetseiten des Projekts "Rhön im Fluss" veröffentlicht (LINK).

Rhönquellen zeigen eine enorme Artenvielfalt an Organismen, u.a. auch die nur hier und im Vogelsberg lebende "Rhön-Quellschnecke", einer sehr seltenen und besonders schützenswerten Wasserschnecke. Durch den heterogenen geologischen Bau finden sich sehr unterschiedliche chemische Quelltypen in der Rhön. Eine Besonderheit und vor allem für Hessen eine Seltenheit sind Kalktuffquellen. Sie sind ein seltener Lebensraum vor allem für spezialisierte Pflanzenarten, wie dem Quellmoos Cratoneuron commutatum (Starknervmoos), das an der Gesteinsbildung beteiligt ist, da es von Kalkkrusten überzogen wird und nach absterben die Porösität des Gesteins ausmacht.

Foto einer Kalktuffquellen (bitte anklicken)

Trotz der einmaligen ökologischen Bedeutung der Quellen in der Rhön zeigten sich während der Erfassung am "Tag der Artenvielfalt" insbesondere strukturelle Beeinträchtigungen der Quellbiotope durch Fassung der Quellaustritte. Im Bereich der Kalktuffquellen - die als FFH-Habitate eine besondere Schutzwürdigkeit erlangen - ist die Fassung der Quellen völlig inakzeptabel und sollte aus Artenschutzgründen von den Veranwortlichen schnellstens rückgängig gemacht werden, da wasserwirtschaftliche Restriktionen nicht vorliegen. Der Grundwasserkrebs Niphargus ssp. wurde in solchen Quellen nicht gefunden, was ein Indiz für die Wanderbarriere zum Grundwasser sein kann.

Die Erfassung der Quellen am "Tag der Artenvielfalt" in der Rhön hat die Besonderheit und die Gefährdung dieser Feuchtbiotope deutlich gezeigt.

Wichtig wäre eine möglichst flächendeckende Quellkartierung insbesondere in den Kernzonen des Biosphärenreservats der Rhön, damit diese kostbaren und seltenen Habitate sinnvoll geschützt werden können !

Quellbereiche der Hohen Rhön

 

Eine Kartierkampagne des Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Hessen e.V. (Stefan Zaenker und Martin Reiss). Im Bereich der Brendquelle werden Quellen und Quellbäche ökologisch erfasst: Allgemeine Zustandsbeschreibung, chem.-phys. Parameter, Fauna, Vegetation, Gewässerstrukturgüte.

Erste Rohdaten liegen vor und fließen in das hessische Artenprogramm "natis" sowie das "Biospeläologische Kataster Hessen" ein.

In Bezug zum Projekt "Rhön im Fluss" werden Handlungsempfehlungen erarbeitet. Ferner ist eine Publikation als Artikel in einer Fachzeitschrift geplant. [Stand: Nov.2004]

Die Fauna der Quellen und des hyporheischen Intertitials in Luxemburg

Reinhard Gerecke (Mitglied der AG Quellen im AK Lebensraum Grundwasser der DGL) hat zusammen mit den Kollegen Fabio Stoch, Claude Meisch und Isabel Schrankel eine regionale Studie am Wissenschaftlichen Forschungszentrum des Nationalen Naturhistorischen Museums Luxemburg zur Erfassung der Fauna der Quellen und des hyporheischen Intertitials in Luxemburg durchgeführt.

Die ersten Ergebnisse sind in dem Band Ferrantia 41 (2005) Nationalen Naturhistorischen Museums Luxemburg erschienen (siehe Abb.). Die Arbeit gibt einen Überblick über die Fauna von 41 Quellen und 30 Interstitial-Probestellen in allen Teilen Luxemburgs. Ausgewählte Vertreter der Meiofauna (Acari, Ostracoda und Copepoda) wurden besonders berücksichtigt.

Neben der Auflistung und Beschreibung der Arten ist die Arbeit von Gerecke et al. ein bedeutender Wegweiser zur modernen Erfoschung der untersuchten Ökotone. Es bietet dem Feldökologen wichtige methodische Hinweise und diskutiert den Stand der Quelltypologie mit entsprechenden Empfehlungen für die Praxis.

Beeindruckend ist die Arbeit vor dem Hintergrund der regional meist fehlenden umfassenden Untersuchung der Besiedlung und der spezifischen Typologie deshalb, da für die Acari (Milben) 47 Arten und für die Ostracoda (Muschelkrebse) 11 Arten erstmalig in Luxemburg nachgewiesen wurden. Zudem sind 14 Acari- und 3 Ostracodaarten neu für die Region 8 (Westliches Mittelgebirge) der Limnofauna Europaea (nach Illies).

Die Milbenart Atractides chelidon Gerecke, 2003 ist erstmalig beschrieben worden und somit neu entdeckt.

Kontakt zum Autor Reinhard Gerecke erhalten Sie unter:

Dr. Reinhard Gerecke, Biesingerstr. 11, D- 72070 Tübingen, Tel.: (+49) 07071 49410, reinhard.gerecke@uni-tuebingen.de

Bestellungen (10 Euro) nimmt die Redaktion von Ferrantia entgegen: Rédaction FERRANTIA, 25, rue Munster, L-2160 LUXEMBOURG, ferrantia@mnhn.lu

Der Band steht aber auch als Download (pdf-Datei, 4.3 MB) zur Verfügung: download

 

Quellenerfassung im Biosphärenreservat Rhön

 

Für den Landesverband für Höhlen- und Karstforschung in Hessen e.V. kartieren Stefan Zaenker (Fulda) und Martin Reiss (Marburg) im Auftrag der hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Quellen in den ausgewiesenen Kernzonen.

Unterstützt wird das Vorhaben von "Rhön im Fluss" - einem Projekt zur Revitalisierung von Bach- und Flusslandschaften in der Rhön [Link].

Die Erfassung wird Ende 2005 abgeschlossen. Eine entsprechende Auswertung der Daten soll der Öffentlichkeit über Vorträge und Publikationen zugänglich gemacht werden.

Außerdem soll das Vorhaben Gemeinden in der Rhön dazu ermutigen Quellbiotope als Lebensräume zu entwickeln und zu schützen. Als Ansprechpartner stehen der Landesverband für Höhlen- und Karstforschung in Hessen e.V., das Biosphärenreservat Rhön und das Projekt "Rhön im Fluss" zur Verfügung.

 

LITERATUR (in Bearbeitung)

Es werden Arbeiten mit wichtigen Hinweisen zur Quellforschung berücksichtigt. Zum Teil sind die Angaben kommentiert.

Die Literatur-Liste ist alphabetisch nach Autoren geordnet.


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

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LINKS

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Quellschutzprogramm des LBV e.V. Bayern

Alpenquellen.com - Ein interaktives Informationssystem speziell für Hochgebirgsquellen der Alpen.

 

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