HYDROGEOGRAPHIE.DE

Eine geographische Gewässerkunde des Binnenlandes

Dipl.-Geograph M. Reiss / Marburg, Lahn

Beiträge

Wasser als Medizin - Zur Anwendung von Heilwasser

Martin Reiss, Marburg

1. Was ist Heilwasser ?

Heilwasser ist kein Nahrungsmittel, sondern ein Arzneimittel.

Diese Tatsache ergibt sich zumindest aus der gesetzlichen Grundlage. Demnach gilt die "Verordnung über natürliches Mineralwasser, Quellwasser und Tafelwasser" (MTVO) und die Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2000) ausdrücklich nicht für Heilwasser (§1 MTVO; §2(2) TrinkwV 2000).

Vielmehr gelten die Vorschriften des deutschen Arzneimittelgesetzes (Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln). Somit ist ein Heilwasser per Definition, ein Wasser welches durch staatliche Anerkennung die allgemeinen Bedingungen des Arzneimittelgesetzes erfüllen muss. Im Sinne des o.g. Gesetzes ist Heilwasser als Arzneimittel ein Stoff, der dazu bestimmt ist, durch Anwendung am oder im menschlichen (oder tierischen) Körper:

1. Krankheiten, Leiden, Körperschäden oder krankhafte Beschwerden zu heilen, zu lindern, zu verhüten oder zu erkennen,


2. die Beschaffenheit, den Zustand oder die Funktionen des Körpers oder seelische Zustände erkennen zu lassen,


3. vom menschlichen oder tierischen Körper erzeugte Wirkstoffe oder Körperflüssigkeiten zu ersetzen,


4. Krankheitserreger, Parasiten oder körperfremde Stoffe abzuwehren, zu beseitigen oder unschädlich zu machen oder


5. die Beschaffenheit, den Zustand oder die Funktionen des Körpers oder seelische Zustände zu beeinflussen.

Abgefülltes Heilwasser ist demnach ein Fertigarzneimittel (HYGIENE INSTITUT HAMBURG 1998:4),.

Die Zuständigkeit der Zulassung von Heilwasser liegt beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit Sitz in Berlin.

2. Was kann Heilwasser ?

Bestandteil

ab Konzentrationen (mg/Ltr.)

Anwendung bei

Magnesium

über 100

Magnesiummangel, Herz-Kreislauferkrankungen

Calcium

über 250

Calciummangel, Osteoporose, Allergien, chronischen Harnwegsinfekten

Fluorid

über 1

Flouridmangel

Sulfat

über 1200

Erkrankungen von Galle und Bauchspeicheldrüse, Stuhlverstopfungen, Fettsucht, Calcium- und Phosphat-Harnsteinen

Hydrogen-
carbonat

über 1300

Reizmagen, chron. Gastritis, zu viel Magensäure, Zuckerkrankheit, Störungen d. Harnsäure-Stoffwechsels, chron. Harnwegsinfekten, Calcium-Oxalat-Harnsteinen, Harnsäuresteinen, Herz-Kreislauferkranklungen

Kohlendioxid

über 1000

über 2000

zu wenig Magensäure

chronischen Harnwegsinfekten für Durchspülungsbehandlungen

Tabelle1 aus: www.mineralwasser.com

Anhand der einzelnen mineralischen Bestandteile des ausgewiesenen Heilwassers können Anwendungen von Heilwässern bei sehr unterschiedlichen Krankheiten angewandt werden (siehe Tabelle 1).

3. Heilwasservorkommen in der Bundesrepublik Deutschland

Das Vorkommen mineralhaltiger Wässer mit besonderen medizinischen Anwendungseigenschaften ist geknüpft an einen für die jeweiligen Orte unterschiedlich erwähnenswerten Kurtourismus. Eine ausgewählte Übersicht bedeutender Bäder- und Kurstandorte mit bekannten Heilwasservorkommen in der Bundesrepublik Deutschland soll folgende Karte geben:

 


Literatur:

  • Hygiene Institut Hamburg (1998): Gutachterliche Stellungnahme zu Tafelwasserschankanlagen in Einrichtungen des Gesundheitswesens. (http://www.medaqua-office.de/content/produkte/gutachten.pdf)

 

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