| Hydrogeographie
- Eine geographische Gewässerkunde des Binnenlandes
Einleitung / Begriffe
Die
Hydrogeographie wird im System der Allgemeinen Geographie zur Physischen
Geographie gestellt.
Gegenstand
(oder Forschungsobjekt) der Hydrogeographie ist das Wasser als Landschaftselement
bzw. als Bestandteil der Landschaft in Interaktion mit der menschlichen
Nutzung (Wasser als Natur- und Kulturelement).
Landschaftswasserkomponenten
wie Abfluss, Niederschlag und Verdunstung stehen in Verbindung mit
den Kompartimenten im Landschaftswasserhaushalt, welche Speicher
wie Grund-, Boden-, Interzeptionswasser und Oberflächengewässer
(Bäche, Flüsse, Seen) darstellen. Welche quantitativen
und qualitativen Eigenschaften diese Speicher und die mit ihnen
vernetzten Komponenten haben, dass ist für die Hydrogeographie
von Interesse.
Innerhalb
des Systems der Hydrologie ist die Hydrogeographie als Spezialfach
ein integraler Bestandteil der multidisziplinären Wasserforschung.
Definition:
Hydrologie
Die
Hydrologie ist die Wissenschaft, die sich mit dem Wasser über,
auf und unter der Landoberfläche der Erde, seinen Erscheinungsformen,
Zirkulation und Verteilung in Raum und Zeit, seinen biologischen,
chemischen und physikalischen Eigenschaften, seiner Reaktion
mit der Umwelt, einschließlich seiner Beziehung zu Lebewesen
befasst.
(UNESCO
und WMO 1992) |
Nach
dem System für die Hydrologie von de Haar (1974) wird die Hydrologie
in drei Grundfächer aufgeteilt:
a)
Quantitative Hydrologie
b) Qualitative Hydrologie
c) Hydrologische Spezialfächer
| |
a |
b |
c |
| |
quantitative
Hydrologie |
qualitative
Hydrologie |
quantitative
Spezialfächer |
qualitative
Spezialfächer |
| Atmosphäre |
Hydrometeorologie |
Hydrophysik
Hydrochemie
Biohydrologie |
Isotopenhydrologie
Hydrometrie
Ingenieurhydrologie
Mathematische Hydrologie
usw. |
Agrarhydrologie
Forsthydrologie
Küstenhydrologie
Karsthydrologie
Hydrogeographie
usw. |
| Oberfläche |
Hydrologie
des Oberflächenwassers |
| Boden |
Hydropedologie |
| Untergrund |
Hydrogeologie |
| |
Tabelle:
System der Hydrologie nach de Haar (1974), vereinfacht modifiziert
Eine
Abgrenzung der Hydrologie/Hydrogeographie ergibt sich aus der o.g.
Definition wie folgt:
die Hydrogeographie beschäftigt sich nicht mit dem Wasser der
Ozeane und Meere (dies ist Aufgabe der Ozeanographie oder Meereskunde),
sondern mit der Geographie
der Binnengewässer.
Die klassische Untergliederung der
Hydrogeographie unterstreicht die Betrachtungsweise des Wassers
auf dem Festland:
- Seenkunde oder Limnologie (*)
- Flußkunde oder Potamologie
- Gletscherkunde oder Glaziologie
(*) dieser Begriff ist nicht konform mit einer Begriffsauffassung
der Biowissenschaften, wo die Limnologie allgemein die Wissenschaft
von der Ökologie des Süßwassers bzw. der Binnerngewässer
ist !
Durch
die moderne Wasserhaushaltlehre,
in der ökologische Zusammenhänge, d.h. die funktionellen,
gesamtheitlichen Interdependenzen der Bestandteile der Landschaft
im Vordergrund stehen, erreichen alle geoökologischen Faktoren
Gewicht. Nicht nur das Oberflächenwasser, sondern die Bestandteile
des ganzen Wasserkreislaufs (also auch das Grundwasser, das Bodenwasser,
atmosphärisches Wasser und das Wasser in bzw. von Lebewesen)
treten in den Vordergrund.
Ein
Wesensmerkmal geographischer Betrachtungen ist die Einbeziehung
des Menschen als Bestandteil der Landschaft.
So
ist die "zielbewußte Ordnung aller menschlichen Einwirkungen
auf das ober- und unterirdische Wasser" (DIN 4049), also die
Wasserwirtschaft und
alle weiteren menschlichen Einflüsse auf die Binnenlandsgewässer
ein integratives Element der Hydrogeographie.
Abbildung:
Stellung der Hydrogeographie im System der Hydrologie

[Seitenanfang]
[Zurück]
Text: M.Reiss
|