HYDROGEOGRAPHIE.DE

Eine geographische Gewässerkunde des Binnenlandes

Dipl.-Geograph M. Reiss / Marburg, Lahn

Beiträge

Das Biospeläologische Kataster von Hessen

Zur landesweiten Dokumentation der Fauna von Höhlen, künstlichen Hohlräumen und Quellen

Stefan Zaenker, Fulda und Martin Reiss, Marburg

Vor ca. 15 Jahren begann die Erfassung und Erforschung der einheimischen Höhlentierwelt des Höhlenforscherclubs Bad Hersfeld e.V. in Hessen. Was zunächst als Hobby begann, entwickelte sich bald zu fundierter Grundlagenarbeit für wissenschaftliche Forschungen. Die Biospeläologie hat sich als Wissenschaft über die Lebewesen in unterirdischen Hohlräumen zu einem interdisziplinären Fach entwickelt, wo mittlerweile ausgewiesene Experten unterschiedlichster Fachausrichtungen tätig sind.

Von besonderem Interesse bei der Untersuchung von Höhlen, künstlichen Hohlräumen und Quellen ist die Erforschung der relativ wenig bekannten Lebewelt des Grundwassers, den Tieren des unterirdischen Wassers (Grundwasserfauna). Gerade in Höhlen und Quellen können Vertreter dieses besonderen Lebensraumes angetroffen werden, wenn nicht über Bohrungen Aufschlüsse zum Grundwasser hergestellt werden können.

Überall dort wo unterschiedliche Lebensräume aufeinander treffen, ergeben sich meist einzigartige Grenzsäume, mit der Durchdringung verschiedenster Lebensgemeinschaften. Hierbei ist die Kenntnis der einzelnen vorkommenden Arten flächendeckend noch verhältnismäßig schlecht dokumentiert. Ein exemplarisches Beispiel hierfür sind Quellen, über deren ökologische und faunistische Verhältnisse nach wie vor kein darüber informierendes landesweites Kataster für Hessen existiert.

Das Biospeläologische Kataster von Hessen geht einen entscheidenden Schritt in die Richtung, eine fundamentale Datenbank bereitzustellen, inder nach unterschiedlichsten Objekten und nach Kartenblättern (Topographische Karten im Maßstab 1/25.000) geordnet, Funddaten recherchiert werden können.

Welche Objekte wurden im einzelnen untersucht ?

Abb.1: Untersuchte Objekte im Biospeläologischen Kataster von Hessen. Nach Zaenker 2001

Wie aus Abb. 1 ersichtlich, wurden in der Mehrzahl Quellen, Bergwerksstollen und Naturhöhlen untersucht. Derzeit sind in der Datenbank des Biospeläologischen Katasters von Hessen über 1.500 einzelne Objekten erfaßt, wobei sich diese Objekte zu 28 Objekttypen zusammenfassen lassen.

Wie sind die Objekte in der Datenbank beschrieben ?

Die Objektbeschreibung besteht - soweit bekannt - aus folgenden Datenfeldern:

Katasternummer: Katasternummer, unter der das Objekt im jeweiligen Höhlenkataster eingetragen ist.
Objekt: Name, unter dem das Objekt im jeweiligen Höhlenkataster eingetragen ist. Durch Klick auf den Objektnamen werden die Einzelfunde zu diesem Objekt angezeigt. Als Einzelfund wird das Vorkommen einer Tierart an einem bestimmten Tag definiert. Hierbei kommt es nicht darauf an, wieviele Tiere dieser Art am Funddatum festgestellt wurden.
Tierarten: Anzahl der bisher im Objekt nachgewiesenen Tierarten.
Einzelfunde: Anzahl der zoologischen Einzelfunde im Objekt.
Weitere Objektnamen: Weitere Namen unter denen das Objekt (in der Bevölkerung) bekannt ist.
Gemeinde: Politische Gemeinde, in der das Objekt liegt.
Landkreis: Landkreis, in dem das Objekt liegt.
Bundesland: Bundesland, in dem das Objekt liegt. Auf den Grenzkartenblättern zu Hessen können Objekte des Bearbeitungsgebietes außerdem in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen liegen.
Region: Naturraum, in dem das Objekt liegt.
Höhlenkataster: Höhlenkataster, in dem das Objekt erfaßt ist bzw. in dessen Zuständigkeitsbereich das Objekt liegt.
Art des Objektes: Als Art des Objektes kommen folgende Biotope in Betracht:
Abwasserkanal, Bergwerksstollen, Bergwerksstollen mit Naturhöhle, Betonierter Tunnel, Brücken-Wartungskammer, Brunnen, Bunkeranlage, Felsenkeller, Freilandfund, Gangsystem (ursprüngliche Nutzung unbekannt), Gegrabener Brunnen (Kesselbrunnen), Gemauerter Keller, Gemauerter Tunnel, Geschlagener Brunnen (Abessinerbrunnen), Grundwasseranreicherungsanlage, Grundwassergrabung, Karstquelle, Langsamsandfilter, Naturhöhle, Quelle, Quelle oder Brunnen, Schaubergwerk, Schauhöhle, Überlauf eines Wasserbehälters, Unterirdischer Sandabbau, vermuteter Grundwasseraustritt.
Gestein: Gestein, in dem das Objekt liegt. In Klammern wird das genauere geologische Kürzel aus der geologischen Karte angegeben.
Umgebungslage: Umgebungslage und Umgebungsvegetation des Objektes:
Ackerland, Bewachsene Felsen, Bewachsene Kalkfelsen, Garten, Hochmoor, Kalkfelsen, Ödland, Siedlungsgebiet, Steinbruch, Sträucher, Trockenrasen, Uferbereich eines Gewässers, Wald, Waldrand, Weinberg, Wiesengelände.
Gesamtlänge: Gesamtlänge des Objektes in Metern.
Tiefe: Tiefe des Objektes in Metern (maximale Vertikalerstreckung).
Meereshöhe: Meereshöhe in Metern über NN.
Feuchtigkeitsgrad: Subjektive Einschätzung des Feuchtigkeitsgrades im Objekt:
sehr trocken, trocken, mittel, feucht, naß, wie außen

Bei Quellen: fällt zeitweise trocken, ständig fließend

Anmerkung: Anmerkungen zum Objekt, die nicht durch die vorgenannten Datenfelder erfaßt werden.

Wie ist der Stand der Erfassung ?

Mit Stand vom 06.10.2001 sind im Bearbeitungsgebiet 976 Taxa nachgewiesen, die mindestens bis zur Gattung bestimmt wurden. Im Biospeläologischen Kataster von Hessen sind derzeit 14.126 Einzelfunde aus 1.576 Objekten erfaßt. Dennoch ist ein Abschluß der Erfassung der Fauna in Höhlen, künstlichen Hohlräumen und Quellen nicht abzusehen. Von 243 Kartenblättern (TK 1:25.000) im Bearbeitungsgebiet sind bislang Objekte auf 185 Kartenblättern (= 76,1 %) biospeläologisch untersucht. Hiervon sind allerdings zahlreiche Kartenblätter nur sporadisch bearbeitet. Als recht gut bearbeitet können derzeit nur das Fulda-Werra-Bergland, der Vogelsberg, die Rhön und der Taunus angesehen werden, obwohl auch hier zahlreiche Objekte noch gar nicht untersucht wurden.

In der Erfassung der subterranen Fauna rangiert das Bearbeitungsgebiet nach Rheinland-Pfalz/Saarland und Westfalen noch vor den klassischen Höhlengebieten der Fränkischen Alb und Schwäbischen Alb.

Die Untersuchung der einzelnen Tiergruppen ist sehr unterschiedlich und hängt im wesentlichen vom Vorhandensein eines Bestimmers ab. So warten gerade bei den Landmilben, den Zweiflüglern und bei verschiedenen im Wasser lebenden Tiergruppen (z.B. Oligochaeta, Copepoda, Ostracoda, Insektenlarven) noch zahlreiche Archivexemplare auf ihre Bestimmung.

Was kann der Benutzer des Katasters erwarten ?

Da der Umfang des Katasters mittlerweile so umfangreich ist, das es wenig anwenderfreundlich erschien ihn als gedruckte (Buch-) Version zu veröffentlichen, bieten sich als Speichermedium alle Vorteile der CD-ROM an.

Das Biospeläologische Kataster ist im Sinne einer Internetseite über viele Verknüpfungen (Links) anwendungsorientiert und liefert auch dem Laien zahlreiche Zusatz- und Hilfsinformationen, die mit dem eigentlichen Datenbestand korrespondieren.

Eine Gliederung (Inhalt) der wichtigsten Rubriken:

  • Vorwort
  • Das Untersuchungsgebiet
  1. Abgrenzung des Untersuchungsgebietes
  2. Übersichtskarte auf Grundlage der topographischen Kartenblätter 1 : 25.000
  3. Naturräumliche Gliederung des Untersuchungsgebietes
  4. Geologie der hessischen Höhlen- und Karstgebiete
  5. Geschichte und Bearbeitungsstand
  • Systematisches Verzeichnis der untersuchten Objekte
  1. Erläuterung der Objektbeschreibung

  • Systematisches Verzeichnis der festgestellten Arten
  1. Katalog der im Bearbeitungsgebiet erfaßten Tiere
  2. Bedingungen, die zur Aufnahme in den Faunenkatalog führen
  3. Nomenklatur / Verzeichnis der Abkürzungen / Erläuterung von Fachbegriffen
  4. Wissenschaftliche Beschreibungen
  5. Bindungsgrad der Arten an die Höhle (ökologische Klassifikation)
  6. Erläuterung der Fundbeschreibungen
  7. Unterteilung der Höhlen in drei Lichtregionen
  8. Verzeichnis der Sammler und Bestimmer
  9. Artenschutz
  10. Europäische Verbreitungsgebiete der Limnofauna nach ILLIES (1978)

  • Alphabetische Suchregister
  1. Alphabetisches Register der untersuchten Objekte
  2. Alphabetisches Register der Taxa (lateinische und deutsche Tiernamen)

  • Literaturverzeichnis
  • Merkblatt zur Biospeläologie

1. Allgemeines
2. Sammlung und Konservierung
2.1. Ausrüstung
2.2. Verpackung des Tiermaterials
2.3. Wo findet man Höhlentiere
2.4. Wie man Höhlentiere fängt
2.4.1. Köderung
2.4.2. Siebtechnik
2.4.3. Anlockung und Fang von Höhlenkrebsen
2.4.4. Sonstige Fanghinweise
2.4.5. Fang und Konservierung von Strudelwürmern
2.4.6. Wirbeltiere
2.5. Sammeln von Höhlenpflanzen
3. Die rezente Tierwelt der Höhlen
3.1. Einteilung der Höhlentiere
3.2. Heute gebräuchliche genauere Gliederung
3.3. Unterteilung der Höhlen in drei Regionen
3.4. Merkmale der Höhlentiere
3.5. Entstehung der Höhlentiermerkmale
3.6. Alter der Höhlentiere
3.7. Physiologie der Höhlentiere
4. Praktische Durchführung (Arbeitsplan)

  • Hinweise zur Arbeit mit dieser CD-ROM

Für nähere Informationen:

Kontakt zum Autor Stefan Zaenker (Mail), Königswarter Str. 2 a, 36039 Fulda

Internet: Höhlenforscherclubs Bad Hersfeld e.V. und Landesverbandes für Höhlen- und Karstforschung Hessen e.V.

Literatur:

Zaenker, S. (2001): Das Biospeläologische Kataster von Hessen. Die Fauna der Höhlen, künstlichen Hohlräume und Quellen. (= ABHANDLUNGEN ZUR KARST- UND HÖHLENKUNDE, ehemals Abhandlungen zur Karst- und Höhlenkunde, Reihen A - F, herausgegeben vom Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V., München; Heft 32)

 

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