HYDROGEOGRAPHIE.DE

Eine geographische Gewässerkunde des Binnenlandes

Dipl.-Geograph M. Reiss / Marburg, Lahn

Beiträge

Die "Lebendige Fulda"

von Dr. Reiner Cornelius, Niederaula

Die Fulda ist ein urhessischer und vor allem naturnaher Fluss. Sie entspringt auf der Wasserkuppe, dem höchsten Berg Hessens, inmitten des Biosphären-Reservats Rhön. Lüder und Schlitz führen ihr Wasser aus dem Naturpark Vogelsberg zu. Sie fließt in vielen Windungen durch das nordhessische Bergland und durch weite Wiesenauen, in denen sich der Fluss bei Hochwasser noch ungehindert ausbreiten kann. Am Flussufer und in den Auewiesen brüten zahlreiche bedrohte Vogelarten. Flutmulden, in denen sich das Winterhochwasser über Wochen und Monate hält, durchziehen die Aue. Ihre schlammigen Ufer bieten ungezählten Zugvögeln Nahrung. Und im Fluss, der auf weite Strecken ohne Behinderung durch Staustufen und Wehre frei fließen kann, leben mehr als dreißig heimische Fischarten. Die Prädikate "naturnah" und "lebendig" sind für die Fulda also durchaus zutreffend.

Auf der anderen Seite darf man nicht übersehen, dass der Mensch auch in den Lauf der Fulda vielerorts stark eingegriffen hat. Die Ufer wurden fast überall befestigt, Flussschleifen wurden durchstochen, Gewerbegebiete dringen in die Aue vor. Vor diesem Hintergrund ist es gut zu wissen, dass "Lebendige Fulda" nicht nur für einen munteren hessischen Fluss steht, sondern auch für eine Arbeitsgemeinschaft aus engagierten Natur- und Umweltschützern, die sich mit Vehemenz für die Fulda und ihre Aue einsetzen. Was an der Fulda schützenswert ist, wo der Mensch den Flusslauf stark beeinträchtigt hat und welche Aktionen zum Schutz und zur Renaturierung der Fulda laufen, erfahren Sie in den folgenden Zeilen.

1 Die naturnahe Fulda

1.1 Der Wildbach und seine Quellen

Viele kennen die in Basalt gefasste Fuldaquelle unterhalb des Segelfluggeländes auf der Wasserkuppe. Aber nur wenige wissen, dass die Fulda fünf weitere Quellen besitzt, die in einer breiten Mulde direkt unter dem Gipfel der Wasserkuppe entspringen. Die an einem Großparkplatz gelegene offizielle Fuldaquelle ist hinsichtlich der Naturausstattung etwas sparsam bestückt. Dafür liegen die übrigen Quellen umso schöner. Das Wasser tritt inmitten blumenreicher Bergwiesen und Gebüsche hervor, überall gluckst und gluckert es. Die Wasserkuppe trägt ihren Namen zu Recht!

Nach einigen hundert Metern vereinigen sich die Quellbäche zu einem von Erlen, Eschen und Ulmen gesäumten Wildbach, dessen kristallklares Wasser mit 6-11 % Gefälle über Basaltblöcke nach Gersfeld hinunter schießt. Die junge Fulda ist voller Leben. Am Grunde des Baches sucht die Mühlkoppe nach Nahrung. In den Gumpen steht die Bachforelle. Von den Steinen im Bach aus taucht die Wasseramsel in die kühlen Fluten. Auch in der "Rhönmetropole" Gersfeld ist die Fulda noch lebendig. Sie darf hier völlig offen, ohne Betondeckel mitten durch die Stadt fließen. Den Stadtvätern sei für diese ökologische Einsicht gedankt.


1.2 Das Wiesenflüsschen

Ab Gersfeld ist das Gefälle nicht mehr so stark. Außerdem hat die Fulda von den Seitentälern her viel Wasser aufgenommen. Aus dem ungestümen Wildbach, der zielstrebig ein basaltenes Kerbtal hinunter schießt (Epi-Rhitral/ Obere Forellenregion), wird ein Wiesenflüsschen, das sich, immer noch eilig, durch ein breites Buntsandsteintal schlängelt (Meta- Hypo-Rhithral/ Untere Forellen- Äschenregion). Neben der Bachforelle finden sich hier Äsche, Elritze und Schmerle, und dort, wo das Wasser etwas ruhiger ist und sich rotbrauner Sand absetzt, lebt das selten gewordene Bachneunauge (unterhalb Altenfeld). Auch den Eisvogel kann man hier beobachten. Steilufer, in die er seine Brutröhre graben kann, findet er genug. Mit jeder Schneeschmelze prallen große Wassermengen an die Ufer, so dass immer wieder neue Abbrüche entstehen.

Neben der Erosion kommt es in diesem Abschnitt bereits zu beachtlichen Anlandungen. Bei einem Gefälle von 1-2 % entstehen größere Kiesbänke, die als Strömungshindernisse wirken. Wenn der Mensch nicht wäre, würde sich der Fluss neue Wege suchen. Doch die Hindernisse werden immer rechtzeitig beseitigt, so dass der Fluss in seinem leicht gewundenen Bett bleibt. Von Natur aus würde sich die Fulda hier in mehrere Arme aufspalten (Furkationszone).

Um solche Flussverzweigungen zu sehen, braucht man nicht bis an die Isar zu fahren. Auch an Fuldazuflüssen existieren noch Furkationsstrecken, zum Beispiel an der Schwarza im Vogelsbergkreis, einem Seitenbach der Lüder. Der Bach ist in mehrere Arme aufgespalten und nimmt den gesamten Talboden ein. Im Verlauf des Sommers fallen die Seitenarme trocken und hinterlassen Geröll- und Schotterbänke. An Stellen mit lehmigem Untergrund halten sich kleine "Tümpel". Solche temporären Kleingewässer sind als natürliche Laichplätze von Gelbbauchunken anzusehen. Mit den Frühjahrshochwässern werden die Seitenarme erneut durchspült. Teilweise sucht sich der Bach auch einen neuen Weg, so dass sich das Bild des Fließgewässers immer wieder neu darstellt.
Solche dynamischen Reststrecken sind für die Ableitung des potentiell natürlichen Zustandes von großem Wert. Es lassen sich Vorstellungen entwickeln, wie die obere Fulda und ihre Zuflüsse ausgesehen haben, bevor sie in das statische Korsett des Einbettgerinnes gezwungen wurden. Mit einer gekonnten Entfesselung der Bäche wird es möglich sein, "dauerhaft" Lebensräume für bedrohte Pionierarten und andere an lebendige Fließgewässer gebundene Organismen (z.B. Bachneunaugen) zu entwickeln.

In die Vorstellungen über den naturnahen Bach muss auch der Biber und seine Tätigkeit als Dammbaumeister und Landschaftsarchitekt mit einbezogen werden. Der Biber war im Mittelalter an der Fulda und deren Zuflüssen weit verbreitet. Davon zeugen Ortsnamen wie Hofbieber, Langenbieber und Bebra. Doch sein schmackhafter Schwanz, sein kostbares Fell und das Bibergeil, ein Markierungssekret, das als Schmerzmittel Verwendung fand, kostete ihn das Leben. Seit dem 17. Jahrhundert gibt es an der Fulda keine Biber mehr. Doch wer meint, die Zeiten des Fulda-Bibers seien endgültig vorbei, der irrt. Inzwischen haben sich im Kreis Fulda wieder zwei Biber angesiedelt. Sie sind aus dem Spessart zugewandert. Dort waren in den 1980er Jahren Elbebiber, die letzten überlebenden mitteleuropäischen Vertreter dieser Art, angesiedelt worden. Der Biber ist im Hinblick auf die natürliche Entwicklung des Fuldaoberlaufs und der Seitenbäche von erheblicher Bedeutung. Mit seinen Dammbauten an der Sinn hat er kleine Feuchtgebiete und Bachverzweigungen geschaffen und damit einen großen Beitrag zur Arten- und Strukturvielfalt geleistet. Auch zur Dynamik des Flusssystems trägt er bei. Indem er nach einigen Jahren seine Bauten an eine andere Stelle verlegt, stellt sich die Situation am Fließgewässer immer wieder neu dar.


1.3 Der mäandrierende Auenfluss und das Wiesenland

Kurz vor der Domstadt Fulda mündet die Fliede in die Fulda. Sie bringt viel Wasser vom Landrücken mit. Im Schlitzer Land nimmt die Fulda zwei Flüsse aus dem Vogelsberg auf, die Lüder und die Schlitz. Die Quellen der Lüder liegen bei den Obermooser-Teichen, dem vom NABU erworbenen Naturparadies. Die Fulda wird nun zu einem richtigen Fluss (Epipotamal/Barbenregion), der sich bis Bad Hersfeld in großen Schleifen und Mäandern gemächlich durch eine breite Wiesenaue windet.

Wir gehen davon aus, dass die Fulda in diesem Streckenabschnitt auch von Natur aus dem Typus eines Pendelflusses entsprechen würde, der jedoch, aufgrund der unregelmäßigen Wasserführung (häufige Hochwässer) und aufgrund des Gefälles von 0,6-0,8 Promille bei einem mittleren Abfluss (MQ) >15 m3/s örtlich zur Furkation neigen würde. Dafür sprechen auch die vielen Flutrinnen, die sich noch in den Wiesen finden. Teilweise sind alte Flussverläufe nachweisbar, die davon zeugen, dass auch der Hauptstrom immer wieder sein Bett verlagert hat.

Auch heute finden sich in dem Streckenabschnitt Fulda - Bad Hersfeld noch eine Reihe von Altarmen, z.B. der blind endende Seitenarm des NSG "Breitecke" bei Schlitz, der von einer naturnahen Weichholzaue und extensiv genutzten Wiesen umgeben ist. Hier befindet sich ein Rückzugsgebiet der Europäischen Sumpfschildkröte. Die meisten Altarme haben leider keinen Flussanschluss mehr und beginnen zu verlanden. Neue Altarme können sich nicht mehr bilden: Die Ufer sind befestigt. Der Fluss ist in ein festes Bett gezwungen worden. Ein Blick auf die historischen Karten aus der Mitte des 19.Jahrhunderts zeigt zudem, dass die rezenten Altarme anthropogenen Ursprungs sind. Sie sind das Resultat von Flussbegradigungen.

Dennoch, Fluss und Aue haben sich hier viele naturnahe Elemente bewahrt. Die Fulda pendelt noch immer von einer Seite der Aue auf die andere. An einigen Stellen existieren so große Schleifen, dass man als Paddler den Eindruck hat, man fährt wieder talaufwärts. Zudem folgen auf langsam fließende Abschnitte immer wieder kleine Stromschnellen, so dass die Fischfauna reich ausgebildet ist. Zweiundzwanzig Fischarten leben hier, unter ihnen die Barbe, der Charakterfisch dieser Flussregion und die stark gefährdete Nase. Auch am Ufer ist Leben. Hier trippelt der seltene Flussuferläufer entlang. In die Uferabbrüche hat der Eisvogel seine Brutröhren gegraben und auf den Kiesbänken lässt sich der Flussregenpfeiffer blicken.

Wie lebendig die Fulda hier noch ist, wird während der winterlichen Hochwässer deutlich. Im Schlitzer Land und bei Niederaula wird der gesamte Talgrund überflutet. Die Aue dient als natürlicher Hochwasser-Rückhalteraum für die flussabwärts liegenden Gemeinden. Wenn das Hochwasser wieder abgeflossen ist, bleibt in den Flutrinnen das Wasser über Wochen und Monate stehen. Diese saisonalen "Teiche" sind ein Eldorado für rastende Zugvögel. In großen Scharen bevölkern sie im Frühjahr die Wiesen zwischen Schlitz und Bad Hersfeld. Das Fuldatal hat hier die Funktion eines überregional bedeutsamen Zugkorridors.

Aufgrund der häufigen Überschwemmungen hat sich auch die Wiesenwirtschaft erhalten. Von Fulda bis Bad Hersfeld wird die Aue von Grünland dominiert. Ackerbauliche Nutzungen finden sich nur in den Randlagen. Sicherlich, die meisten Wiesen werden intensiv genutzt. Doch es existieren noch - oder bereits wieder- größere Flächen mit extensiver Nutzung. Bei Niederaula gehören den Naturschutzverbänden mehr als 100 ha Grünland, das im Sinne des Naturschutzes bewirtschaftet wird. Sumpfige Flächen wurden als NSG ausgewiesen. Die Randbereiche werden im Spätherbst gemäht. Die ganz nassen Flächen wurden der Sukzession überlassen. Hier brütet die Bekassine, hier lebt die Rohrammer und vereinzelt hört man den Ruf des Wachtelkönigs. Wertvolle Nassbrachen finden sich auch im Vogelsbergkreis. Im NSG "Hemmen", an der Grenze zwischen dem Kreis Fulda und dem Vogelsbergkreis, sind sie besonders gut entwickelt. Schilf- und Seggenbestände nehmen hier den gesamten Talgrund ein.


1.3 Die Kiesgewässer der mittleren Fulda

Nördlich von Bad Hersfeld tritt das Auengrünland gegenüber dem Ackerland zurück. Einen gewissen Ausgleich schaffen zahlreiche aufgelassene und renaturierte Kiesgruben. Zwischen Bebra und Melsungen stellen sie einen Anziehungspunkt für Wintergäste aus dem hohen Norden und Osteuropa dar. Einer dieser Kiesseen, der Forbachsee bei Bebra, ist für die gefiederten Wintergäste besonders interessant. Er wird von Fuldawasser durchströmt und friert daher nicht so schnell zu. Enten, Taucher, Gänsesäger und Kormorane finden so bei starkem Frost Nahrung.

Vor fünfzehn Jahren floss die Fulda noch ohne Anbindung am Forbachsee vorbei. Während eines Hochwassers durchbrach die Fulda jedoch den Damm zum Kiesgewässer und das Wasser strömte in den etwas tiefer gelegenen See hinein und am unteren Ende wieder hinaus. Als das Hochwasser abgelaufen war und man sich den "Schaden" besah, kam man überein, den Damm nicht auszubessern. Für die Lebewesen hatte sich die "Katastrophe" positiv ausgewirkt. Von den Steilwänden und Kiesbänken profitieren Eisvögel, Wildbienen, Fische und Muscheln. Die Fulda grub sich nun mit jedem Hochwasser stärker ein, sodass bald bei normalem Pegelstand Wasser in den See floss. Eine Flussverzweigung war entstanden. Inzwischen fließt fast die Hälfte des Wassers durch den See. Bei Niedrigwasser treten im alten Fuldabett Kiesbänke zutage. Mit jedem Hochwasser stellen sich Flussbett und Ufer neu dar, der Fluss arbeitet wieder.


1.4 Die schiffbare Fulda und die Stauregulierung

Bei Guxhagen mündet die Eder in die Fulda. Aus hydraulischer Sicht ist diese Aussage nicht ganz korrekt, denn schließlich bringt die Eder mit einem mittleren Durchfluss (MQ) von 30,9 m3/s mehr Wasser mit als die Fulda mit einem MQ von 26,7 m3/s. Auch das Einzugsgebiet der Eder ist mit 3.360,94 km2 größer als das der Fulda mit ihren 2.996,70 km2. Trotzdem, durch Kassel fließt die Fulda und nicht die Eder.

Mit der Vereinigung der beiden Flüsse hat sich der Durchfluss also mehr als verdoppelt. Doch bei Niedrigwasser wurde es, bevor der Edersee für einen geregelteren Abfluss sorgte, für die Schiffahrt immer noch knapp. Um Kassel ganzjährig für Lastschiffe erreichbar zu machen, hat man gegen Ende des 19. Jahrhunderts den letzten Abschnitt der Fulda kanalisiert und staureguliert. 1975-1980 wurde die Strecke Kassel -Hannoversch Münden weiter ausgebaut. Seit dem reiht sich ein Stausee an den anderen. Die Staustufen sind so ausgelegt, das die Staulage der flussabwärts gelegenen Sperre bis in das Unterwasser der flussaufwärts gelegenen Sperre reicht. Turbulente Fließstrecken existieren nicht mehr. Bevor sich im niedersächischen Hannoversch Münden Fulda und Werra "küssen", büßt die Fulda somit ihren naturnahen Charakter ein.


2. Naturbeeinträchtigungen an der Fulda

Der Streckenabschnitt Kassel- Hannoversch-Münden ist ein besonders eklatantes Beispiel von Gewässerbeeinträchtigung. Ohne Rückbau der Staustufen, was derzeit illusorisch erscheint, lässt sich der "gute ökologische Zustand" im Sinne der EU-Wasserrahmenrichtlinie hier nicht mehr herstellen. Auch auf den oberhalb liegenden Streckenabschnitten hat die Fulda zum Teil erhebliche Störungen hinnehmen müssen. Der Mensch hat die Auenwälder abgeholzt. Lachs und Biber wurden ausgerottet, der Fischotter vertrieben. Wehre wirken als Sperre für wandernde Fischarten. Teilstrecken wurden begradigt. Ufer wurden befestigt und verbaut. Die Naturzerstörung macht auch vor dem Überschwemmungsraum nicht Halt. Die Aue wird aufgeschüttet. Verkehrsstraßen zerschneiden das Tal. Gewerbegebiete dringen trotz Schutzgebietsausweisungen Zug um Zug in die Aue vor. Selbst vor Naturschutzgebieten schreckt man nicht zurück. So wurde im NSG "Kiesrasen von Baumbach" (Gemeinde Alheim) eine natürlich entstandene Flussverzweigung vom Wasser- und Schifffahrtsamt mit einem durchgehenden Damm verbaut. Anlass war ein Gutachten, das von einer Gefährdung eines 1,5 km flussaufwärts gelegenen Brückenbauwerks durch rückschreitende Tiefenerosion sprach. (Das Wasser- und Schifffahrtsamt ist hier für Unterhaltungsmaßnahmen zuständig, da die Fulda ab Bebra eine Bundeswasserstraße ist. Allerdings dient die Fulda nicht dem allgemeinen Verkehr, sondern nur für Sportboote. Schiffbar ist die Fulda erst ab Kassel.) Auch den Fuldazulauf am Forbachsee wollte das Schifffahrtsamt abriegeln. Begründet wurde dieses Ansinnen hier mit der angeblichen Gefährdung der Paddelboote, den einzigen "Schiffen", die diesen Fuldaabschnitt befahren. Dass das NSG "Forbachsee" nicht das gleiche Schicksal wie das NSG bei Baumbach ereilt hat, ist ein Verdienst der Landesarbeitsgemeinschaft "Lebendige Fulda". Mehr dazu in dem Kapitel über die Aktionen der LAGF.


3. LAGF, eine Gemeinschaft, die den Schutz und die Renaturierung der Fulda auf ihre Fahnen geschrieben hat

Um den Fluss- und Auenzerstörungen etwas entgegenzusetzen, hat der NABU die Landesarbeitsgemeinschaft "Lebendige Fulda" (LAGF) gegründet. Ihr gehören die Vorsitzenden der NABU Kreisverbände Fulda, Vogelsbergkreis, Hersfeld-Rotenburg, Schwalm-Eder-Kreis, und Kassel-Land an. Mit von der Partie sind die Ortsgruppen der Fuldaanrainer. Die LAGF hat Reiner Cornelius, von der NABU-Gruppe Bad Hersfeld, zu ihrem Sprecher gewählt. Stellvertretende Sprecherin ist Julia Djabalameli von der NABU-Gruppe Gersfeld. In der LAGF arbeiten neben Naturschützern des NABU auch Mitglieder aus anderen Verbänden mit (Naturkundliche Gesellschaft Mittleres Fuldatal, Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz und BUND).
Die LAGF denkt und handelt kreisübergreifend. Dies ist notwendig

- weil die Fulda fünf hessische Landkreise und eine kreisfreie Stadt durchfließt
- weil das Ausmaß der Zerstörung, welches die vielen Eingriffe entlang der 220 Flusskilometer hervorrufen, erst in einer Zusammenschau deutlich wird
- weil Eingriffe in die Flussdynamik und die Auennatur sich auf flussabwärts gelegene Flächen auswirken (z.B. Versiegelung, Begradigung, Dammbau)
- weil Fluss- und Auenzerstörer oft kreisübergreifend operieren

Die LAGF hat ein Netz von Fuldaschützern aufgebaut. Die Fuldaschützer melden, wenn es an einer Stelle der Fulda oder an einem Nebenfluss "brennt". In der LAGF läuten dann die Alarmglocken. Es wird analysiert, recherchiert, ein Plan entworfen und gemeinschaftlich gehandelt. Die Beobachtungen der Fuldaschützer dienen darüber hinaus zum Aufbau einer INFO-Sammelstelle über den Zustand von Fluss und Aue. Hier kann man sich informieren, wie es um einen bestimmten Streckenabschnitt bestellt ist, welche Arten vorkommen, welche Lebensräume bedroht sind.


3.1 Forderungen der LAGF zur Renaturierung der Fulda

Doch es kann nicht nur um Gefahrenabwehr gehen. Die Naturzerstörung muss so weit wie möglich rückgängig gemacht werden. Es müssen Bedingungen geschaffen werden, unter denen Lachs, Biber und Fischotter zurückkehren können. Die LAGF stellt dazu folgende Forderungen:

Dem natürlichen Lauf der Fulda ist wieder Raum zu geben. Dort wo die Fulda in ein enges Bett gezwängt wurde, ist sie aufzuweiten. Die Uferverbauung ist zu entfernen, Seitenarme und Flutrinnen sind dem strömenden Wasser wieder zugänglich zu machen, verfüllte Flutrinnen sind sie auszuräumen, Altarme sollten regeneriert und an das Fließgewässersystem angeschlossen werden. Die genannten Maßnahmen bewirken ein Wiederaufleben der Flussdynamik. Kiesbänke, Uferabbrüche, Auenweiher und Kolke sind in ständiger Entwicklung . Für bedrohte Pionierarten wie Flussregenpfeiffer, Kreuzkröte, bestimmte Libellen und Laufkäfer wird Lebensraum geschaffen und auf natürliche Weise erhalten. Die entstehenden Flach- und Stillwasserzonen dienen zudem als Kinderstube für Fische. Schließlich kann man über Flussaufweitungen und den Bau von Flutrinnen Hochwasserprobleme auf natürliche Weise in den Griff bekommen.
Die Eigendynamik des Flusses ist zu fördern. Renaturierungen sind daher so zu konzipieren, dass der Fluss ein Höchstmaß an Eigendynamik entwickeln kann. Zudem sollte man den Fluss, wo immer er aus seinem Korsett bricht, gewähren lassen. Die spontane Renaturierung ist der künstlichen überlegen. Häufig erscheint es jedoch notwendig, von "Amtswegen" einen kleinen Anstoß zu geben. Lohnenswerte Beispiele existieren bei Sterzhausen an der oberen Lahn und an der Fulda bei Rotenburg.
Die Fulda muss wieder durchgängig gemacht werden. Für den Lachs ist das Wasser inzwischen sauber genug. Jetzt muss dafür gesorgt werden, dass die Wehre wieder passierbar werden. Im Schlitzer Land und in Fulda entstanden inzwischen Fischpässe von Format. Weitere Durchlässe dieser Art müssen folgen. Dabei geht es nicht nur um die Auf- und Abstiegsmöglichkeiten der Wanderfische Lachs und Aal. Auch die übrigen Fischarten und die Kleinlebewesen (Benthos) müssen die Wehre passieren können, sei es um der Abdrift entgegenzuwirken oder um katastrophenbedingte Populationsrückgänge auszugleichen.
Es muss wieder Auenwald entstehen. Er ist Heimat für eine große Zahl von Vögeln, Schmetterlingen, Käfern und Blütenpflanzen sowie Lebensgrundlage für den Biber. Darüber hinaus dient der Auenwald dem Hochwasserschutz. Erste Neuanlagen finden sich bei Fulda, Niederaula, Altmorschen und Malsfeld. Weitere Pflanzungen müssen folgen. Die Schaffung breiter, nutzungsfreier Uferrandstreifen ist ein erster Schritt in Richtung Auenwald.
Das Auengrünland muss geschützt und entwickelt werden. Wiesenpieper, Braunkehlchen, Bekassine und der Weißstorch gehören in unsere Landschaft. Sie brauchen extensiv genutztes Auengrünland, Feucht- und Nasswiesen. Die Verteilung von Auenwald, Brachland und anderen Flächentypen ist auf die Bedürfnisse dieser Arten auszurichten.

3.2 Aus der Arbeit der "Lebendigen Fulda"

Die LAG "Lebendige Fulda" begnügt sich nicht mit dem Aufstellen von Forderungen. In dem ersten Jahr ihres Bestehens hat die LAGF bereits eine umfangreiche Arbeit geleistet. Dabei hätten die Aktiven der Renaturierung gerne den Vorrang eingeräumt. Doch unter den derzeitigen naturschutzpolitischen Rahmenbedingungen in Hessen steht leider die Gefahrenabwehr oben an.

Gefahrenabwehr: Eingriffsabsichten hegen die verschiedensten Institutionen:
Kommunen möchten in der Aue Gewerbegebiete errichten (z.B. bei Guxhagen im Schwalm-Ederkreis).

Der Bund, das Land und die Landkreise wollen neue Straßen durch die Aue ziehen (z.B. die B27 bei Friedlos, die K1 bei Mecklar, beide Kreis Hersfeld-Rotenburg oder der neue Autobahnzubringer Ostheim-Melsungen im Schwalm-Ederkreis).

Das Wasser- und Schifffahrtsamt sorgt sich um die Befahrbarkeit der Fulda mit Sportbooten. Natürliche Elemente wie in das Wasser ragenden Ufergehölze und Totholz werden beseitigt. Sobald die Fulda Eigendynamik zeigt, wird diese unterbunden.

Der NABU und seine LAGF versuchen diese Eingriffe soweit wie möglich abzuwenden. Als Beispiel sei der Einsatz für die natürlich entstandene Verzweigung der Fulda am Forbachsee bei Bebra genannt. (zur Entstehung der Flussverzweigung siehe Kapitel 1.4). Obwohl die Fulda hier endlich wieder frei arbeiten kann und Mangelhabitate wie Uferabbrüche, Kiesbänke und dergleichen ständig aufs Neue entstehen, sollte dieses Musterbeispiel von Flussdynamik wieder verbaut werden. Anlass war die Beschwerde eines Kanuverleihers, der Boote und Paddler gefährdet sah. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass wenige Kilometer flussaufwärts, bei Mecklar, im Zuge einer Kompensationsmaßnahme eine dynamische Flussaufspaltungen geschaffen wird und dass die Paddler hier "den Gefahren des Flusses" ohne den Beistand des Wasser- und Schifffahrtsamtes trotzen müssen. Das Amt ist erst einige hundert Meter flussabwärts für die Unterhaltung der Fulda zuständig. Es versteht sich von selbst, dass der NABU hier alle Register gezogen hat. Über eine intensive Pressearbeit, über Verhandlungen mit allen Beteiligten und Lobby-Arbeit auf verschiedenen Ebenen wurde das gesteckte Ziel erreicht. Die Fulda wird nicht wieder in ein Korsett gezwungen. Der neu entstandene, dynamische Lebensraum bleibt unangetastet. Eisvögel, Uferschwalben, Flussregenpfeiffer, Uferläufer und die vielen Pioniere unter den Laufkäfern Libellen und Wildbienen werden es den Naturschützern danken.

Nicht alle geplanten Eingriffe lassen sich abwehren. In solchen Fällen kämpft die LAGF um adäquate Kompensationsmaßnahmen. Einen Erfolg konnte die LAGF hierbei in Sachen Kreisstraße 1 (K1) bei Mecklar im Kreis Hersfeld-Rotenburg verbuchen. Über die K1 soll das geplante Industriegebiet an die B27 angebunden werden. Um die Ortslage Mecklar vom Verkehr frei zu halten, ist eine neue K1-Trasse geplant, die über einen Damm und eine Brücke die Fuldaaue queren soll. Die für diesen schwerwiegenden Eingriff vorgesehen Kompensationsmaßnahmen waren aus der Sicht der LAGF nicht ausreichend. NABU und BUND haben darauf hin Verhandlungen mit der Kommune, dem Kreis und den zuständigen Behörden geführt und hierbei einen "Nachschlag" erreicht. Dieser besteht in der Anbindung eines Kiessees an die Fulda, wobei die Fulda ihre Dynamik frei entfalten darf, sowie in der Schaffung einer zusätzlichen Flutmulde. Die LAGF achtet also darauf, dass Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen in ihrem Umfang der Stärke des Eingriffs entsprechen und dass sie sich in ein Gesamtkonzept von der Renaturierung der Fulda und ihrer Auen einfügen. Hierbei kann sie auf das "Ökologisches Gesamtkonzept für Fulda- und Hauneaue im Landkreis Hersfeld-Rotenburg" zurückgreifen, ein Gutachten, das im Auftrag des NABU-Landesverband Hessen, der Naturkundlichen Gesellschaft Mittleres Fuldatal und der Naturlandstiftung für den Kreis Hersfeld-Rotenburg im Jahr 2000 vom Umweltinstitut Höxter erstellt wurde. Auch im Schwalm-Ederkreis ist eine größere Kompensationsmaßnahme im Bereich der Fuldaaue geplant. Sie soll als Ausgleich für den Bau der Autobahnanschlussstelle Ostheim und der neuen Strassenverbindung nach Melsungen dienen. Dem LAGF-Mitglied Manfred Schmelz ist es zu verdanken, dass die Kompensation nicht irgendwo beziehungslos in die Landschaft gesetzt wird. Schmelz konnte die Behörden davon überzeugen, dass sinnvoll ist, eine bereits vorhandene und zudem gelungene Kompensationsmaßnahme zu ergänzen. Mit dem Ausgleich "Autobahnanschluss Ostheim" ist nun geplant, die Fläche des Auenschutzgebietes am Container-Bahnhof bei Malsfeld zu verdoppeln.

Flussrenaturierung und Auenentwicklung: So verlockend es sein mag, mit Hilfe von Ausgleichsmaßnahmen Auenrenaturierung zu betreiben, als Auenschützer darf man nicht vergessen, dass man dafür an anderer Stelle schwerwiegende Eingriffe hinnehmen muss. Wer die Renaturierung der Fulda und ihrer Auen ohne schlechtes Gewissen vorantreiben will, muss sich um die vorhandenen Fördertöpfe bemühen. Aussicht auf Förderung haben derzeit vor allem Maßnahmen des naturverträglichen Hochwasserschutzes, wobei die Anträge von den Kommunen kommen müssen.

Bei Rotenburg konnte bereits ein größeres Renaturierungsprojekt abgeschlossen werden. Im Bereich der Stadt wurde das Bett der Fulda aufgeweitet und der Hochwasserabfluss beschleunigt. Außerhalb der Ortschaft bremst man den Fluss wieder ab, indem man sein Wasser über Flutrinnen auf der Fläche verteilt. Aufwuchs von Weiden und Auenwaldreste sorgen für zusätzliche Verlangsamung des Hochwasserabflusses. Mit diesen Maßnahmen wurde nicht nur eine Entlastung des Pegels von bis zu 60 cm erreicht. Neben den Flutrinnen entstanden Flachwasserstellen, Kiesbänke und Uferabbrüche, die vielen Tieren und Pflanzen der Aue einen neuen Lebensraum bieten.

Die Rotenburger Renaturierungen wurden von unserem LAGF-Mitglied Heinrich Wacker fachlich begleitet und vorangetrieben. Dabei erhielt er die Rückendeckung des Bürgermeisters, was für das Gelingen des Projektes von großer Bedeutung war. Das Rotenburger Beispiel hat dazu beigetragen, dass Bad Hersfeld für ein ähnliches Projekt gewonnen werden konnte. Für 2,6 Millionen   wird hier ab 2003 die Fulda renaturiert. Auch der Landrat des Kreises Hersfeld-Rotenburg ließ sich inzwischen von den Vorteilen der Fluss- und Auenrenaturierung überzeugen. Es wurde ein Arbeitskreis gegründet, der den Aufbau einer kommunalen Arbeitsgemeinschaft "naturverträglicher Hochwasserschutz" zum Ziel hat. Die LAGF ist hier mit ihrem Sprecher vertreten.

Die LAGF bringt sich also ein, mischt mit und zeigt Leitlinien auf. Dazu pflegt sie enge Kontakte zu den ökologisch denken Kräften in den Staatlichen Umweltämtern, den Naturschutz- und den Fischereibehörden. Sie spricht bei den Bürgermeistern vor und geht in die Gemeindevertretungen. Sie setzt sich mit Anglern, Kanuten und den Bauernverbänden an einen Tisch. Sie unterhält gute Beziehungen zu Land- und Forstwirten. Kurzum, sie betreibt Lobby-Arbeit in Sachen Auenschutz und Flussrenaturierung. Dabei kann sich die LAGF auf vorhandene Fachkompetenzen des NABU stützen, auf Limnologen, Landschaftsplaner, Flurneuordner, Ökologen, ökologisch orientierte Sportangler, Umweltberater sowie Spezialisten für die Avi- und Herpetofauna.

Doch Lobby-Arbeit und Fachkompetenz sind im politischen Tauziehen um die Auen-Natur nicht ausreichend. Ein Verband wird nur dann erfolgreich sein, wenn er auch Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Der NABU und seine LAGF setzen hierbei vor allem auf lebendige Aktionen.

Lebendige Aktionen: Von den im Jahr 2002 durchgeführten Aktionen sei an erster Stelle die "Fulda - Erkundungs - Tour" genannt, die mit dem Rad über zwei Tage von Gersfeld nach Kassel führte. Ortskundige Fuldaschützer begleiteten die Tour und machten auf die schönsten und ökologisch interessantesten Stellen aufmerksam. Nette Naturschützer versorgten die Teilnehmer an Stationen mit Essen, Trinken und weiteren Informationen. Station wurde in Häusern in der Nähe des Flusses gemacht wie dem Umweltzentrum Fulda und dem VUN-Vereinsheim in Malsfeld oder an improvisierten Picknickplätzen. Prof. Wagner, der NABU-Landesvorsitzende, hatte beispielsweise Versorgungsfahrzeuge in der Nähe des Schlitzer-Länder NSG "Breitecke" postiert. Bei strahlendem Sonnenschein bot er den Teilnehmern eine lebendige Lektion in Sachen Gewässerkunde.
In Rotenburg hatten die Mitglieder der Naturkundlichen Gesellschaft Mittleres Fuldatal am städtischen Wehr Tische und Bänke aufgebaut. An Hand großer Stelltafeln wurden die naturverträglichen Hochwasserschutzmaßnahmen der Stadt erläutert. Die Führung wechselte mit jedem Flussabschnitt, was von den Teilnehmern positiv aufgenommen wurde. Einen würdigen Abschluss fand die Tour auf dem BUGA-Gelände in Kassel, wo der NABU-Kassel die Teilnehmer mit einem überbordenden Büffet empfing.
Herausgabe eines Naturführers: Aufgrund der vielseitigen Informationen erschien es sinnvoll, das Erlebte in Schrift und Bild festzuhalten. Es wurde daher ein mit Fotos, Grafiken und Karten ausgestatteter Führer erstellt. Unter dem Namen "Naturerlebnis Fulda" geht der Naturführer in Kürze in den Druck. Das ca. 150 Seiten starke Buch, das Radfahrern, Wanderern und Spaziergängern die Schönheiten des Fuldatals näher bringen will, wird vom NABU Landesverband herausgegeben.
Pressearbeit: Die Teilnehmer der Tour stammten zum überwiegenden Teil aus der Region. Es radelten aber auch Naturinteressierte aus dem Raum Frankfurt/Offenbach, dem Main-Kinzig-Kreis und Mittelhessen mit. Hier hat sich die Pressearbeit bezahlt gemacht. Die Tour war in den Lokalblättern entlang der Fulda und der Frankfurter Rundschau in mehrspaltigen Artikeln angekündigt worden. Auch im Anschluss an die Tour wurde Pressearbeit betrieben. Es wurden ortspezifische Berichte verfasst und mit Bildmaterial in den Lokalzeitungen untergebracht.
Entsprechend wurde bei der Fuldaquellen-Wanderung im September 2002 verfahren. Die Fuldaquellen-Wanderung wurde von den Fuldaer- und Hersfelder Gruppen der LAGF getragen. Mit Bussen ging es von Gersfeld hinauf zur Fuldaquelle auf der Wasserkuppe. Kurioser Weise war die offizielle Quelle zum Zeitpunkt der Exkursion versiegt. Die LAGF konnte daher mit ihrer Führung zu den fünf übrigen Quellen bei den mehr als 60 Teilnehmern Punkte machen. Gut kam auch die Art der Führung an. Experten von verschiedenen ökologischen Richtungen (Vegetation, Gewässer, Fische, Amphibien) demonstrierten und erklärten den Teilnehmern die Natur auf dem Weg von den Quellen bis hinunter nach Gersfeld. Die Teamarbeit war ein Grund für den Erfolg dieser Exkursion. Daneben hat der Fuldaer-Schwartemagen und der Biosphären-Schnaps, der an einer Versorgungsstation gegen Spende gereicht wurde, die Laune der Teilnehmer gehoben.
Biber-Kampagne: Exkursionen, bei denen es um seltene oder bedrohte Tierarten geht, kündigt der NABU dagegen nicht in der Presse an. Auf einer LAGF-Biber-Exkursion an die Sinn wurden nur handverlesene Leute mitgenommen und die Teilnehmerzahl auf 20 begrenzt. Dass diese Entscheidung richtig war, zeigte sich vor Ort. Um die Dammbauten und Biberburgen bei Altengronau zu demonstrieren, führte uns Rainer Loos, der für das Biber-Programm verantwortliche Forstmann, auf verschlungenen Pfaden unmittelbar entlang der von den Bibern geschaffenen Feuchtgebiete.
Auf der anderen Seite gilt es die Bevölkerung an der Fulda auf die Zuwanderung von Bibern aus dem Sinntal vorzubereiten. Zu diesem Zweck haben wir eine Biberkampagne gestartet, deren erste Aktion darin bestand, ein Biberpräparat nebst schönen Biber-Fotos in den Sparkassen-Filialen entlang der Fulda auszustellen. Texttafeln und Faltblätter informieren dabei über das Leben der Biber und die Verbindung von naturverträglichem Hochwasserschutz und Biber-Biotopen.

Fachexkursionen: Öffentlichkeitsarbeit muss lebendig sein. Aber nur, wenn sie auch fachlich fundiert ist, wird sie auf Dauer ernst genommen. Die LAGF hat in diesem Sinne eine Reihe von Fachexkursionen zur Weiterbildung veranstaltet. Zusammen mit den Staatlichen Umweltämtern Marburg, Bad Hersfeld und Wetzlar, den Oberen Fischereibehörden Gießen und Kassel, den örtlichen NABU-Organisationen sowie der Wasserbehörde aus dem Kreis Siegen und der Fränkischen Flussmeisterstelle in Bad Neustadt wurden von der LAGF im Laufe des Jahres Exkursionen an die Fulda, die Ulster, die Lahn, die Sinn und die Fränkische Saale organisiert. Ziel der Exkursionen waren beispielhafte Fluss- und Bachrenaturierungen sowie Fischaufstiegsanlagen. Besonders interessant war die Lahn-Exkursion, deren Ablauf in einem vom NABU herausgegeben Reader dargestellt ist. Im Laufe des nächsten Jahres geht es an die obere Eder. Zudem wird die LAGF über die Renaturierungen im Bereich der Stadt Rotenburg informieren.

Informationsfluss innerhalb der LAGF: Alle aufgeführten Aktionen und die gegenseitige Unterstützung sind nur möglich aufgrund eines guten Informationsflusses innerhalb der LAGF und zwischen LAGF und NABU-Landesgeschäftsstelle. Das moderne Kommunikationsmittel E-Mail ist hierbei eine entscheidende Hilfe. Die LAGF-Mitglieder haben aber auch direkten Kontakt. Vier Mal im Jahr treffen sie sich zu Arbeitssitzungen. Schließlich gibt der NABU den "Fuldakurier" heraus, eine Jahreszeitschrift, die wertvolle Informationen zur ökologischen Situation an der Fulda enthält und in der zugleich alle Aktionen und Vorhaben des NABU zur Auenrenaturierung dargestellt werden.


4. Ausblick

In den nächsten Jahren wird die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) auch die LAGF beschäftigen. Der NABU sieht es dabei als seine Aufgabe an, zur Referenzbildung hinsichtlich des "guten ökologischen Zustandes", den unsere Flüsse erreichen sollen, beizutragen. Wer könnte diese Aufgabe besser ausfüllen als die LAGF, die frei von jeglichen administrativen Grenzen die Flussläufe betrachtet. Die LAGF wird im Bereich der Gewässerstrukturgüte für die Region Nord-, Ost- und Mittelhessen Maßstäbe setzen und die Diskussion um den "guten ökologischen Zustand" in die Öffentlichkeit tragen. Zudem wird die LAGF im Bereich der Fulda dafür Sorge tragen, dass der Themenkomplex Strukturgüte bei der Umsetzung der WRRL angemessen Berücksichtigung findet.

 

Anschrift des Verfassers:
Dr. Reiner Cornelius
LAGF-Sprecher
Schützenweg 9
36272 Niederaula
Tel. 06625-91944
E-Mail: Rcornelius@t-online.de

 


 

 

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