GEWÄSSER-
UND AUENLANDSCHAFTEN NATURNAH UND EIGENDYNAMISCH ENTWICKELN
– DIE ARBEITSGRUPPE GEWÄSSER PRAGMATISCH IN MARBURG*
von
Martin Reiss, Marburg
*
veröffentlicht: Reiss, M. (2004): Gewässer- und
Auenlandschaften naturnah und eigendynamisch entwickeln -
Die Arbeitsgruppe "Gewässer pragmatisch" in
Marburg. In: Naturkundliche Jahresberichte Marburg-Biedenkopf
21/22, S.39-48
Einleitung
und Anlass
Gewässer
sind ein integraler Bestandteil unserer Landschaften, die
ökologische, ökonomische und soziale Mehrfachfunktionen
erfüllen. Der Schutz und die Entwicklung der Ressource
Wasser ist eine der wichtigsten Herausforderungen und vielleicht
die bedeutendste Aufgabe des Menschen im 21. Jahrhundert (OPP
2004). Vor allem eine Harmonisierung der Konflikte zwischen
Naturschutz und Wasserwirtschaft ist hierbei ein vorrangiges
Ziel. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf wurde auf Ebene direkt
planungsrelevanter Entscheidungsträger die Bedeutung
und Notwendigkeit des Leitbildes „Naturnahe Gewässer“
erkannt und der Versuch unternommen, dieses Leitbild in der
Praxis umzusetzen (MOTHES-WAGNER 2002; DIEHL 2002; DIEHL 2004).
Die unterschiedlichen Nutzungsansprüche an die Gewässer
führen in der Raumplanung zwangsläufig zu Konflikten
und Spannungsfeldern, die es insbesondere durch eine engagierte
und zielgerichtete Kommunikationsstrategie aufzuzeigen und
zu lösen gilt. Aus dieser Motivation heraus hat sich
am 21.2.2003 die Arbeitsgruppe Gewässer pragmatisch als
offener Gesprächskreis gegründet, der behörden-
und verbandsübergreifend die Grundsätze des Leitbildes
zur naturnahen Gewässer- und Auenentwicklung (vgl. MOTHES-WAGNER
2002) in der Öffentlichkeitsarbeit und für Handlungsempfehlungen
von Entscheidungsträgern im Gewässerschutz intensivieren
möchte.
Ein
Name ist Programm: Die Ziele der AG „Gewässer pragmatisch“
Pragmatisch
bedeutet soviel wie „die Kunst, richtig zu handeln“. Hinsichtlich
des Nachhaltigkeitsprinzips gesellschaftsbezogener Entscheidungen
der Raumplanung ist das ein Vorsatz, den es gilt, mit aller
Ernsthaftigkeit und mit bestem Gewissen zu verfolgen. Allerdings
bedeutet pragmatisch auch, unter den gegebenen Sachzwängen
wie Rechtsverordnungen, Interessenkonflikten und politischen
Willensvorgaben auf der Ebene der vorhandenen Realität
das Utopische umzusetzen. Im Klartext: Das Leitbild „Naturnahe
Gewässer“ ist das Ziel, die Auseinandersetzung mit den
Trägern öffentlicher Belange die Realität“.
Es gilt also – das Ziel vor Augen – mit beiden Beinen in der
Realität stehend zu handeln. Vor diesem Hintergrund eines
anwendungsorientierten Ansatzes hat die Arbeitsgruppe „Gewässer
pragmatisch“ folgende Ziele und Festlegungen formuliert:
-
Die AG „Gewässer pragmatisch“ dient als Forum für
einen Informationsaustausch der AG-Teilnehmer
- Die Grundsätze des Gesprächskreises „Lahn pragmatisch“
(MOTHES-WAGNER 2002) sollen in der AG „Gewässer pragmatisch“
vertieft und ergänzt werden.
- Neue Strategien und Methoden zur Umsetzung von Renaturierungs-
und Revitalisierungsmaßnahmen sollen erarbeitet werden.
- Die Öffentlichkeitsarbeit soll intensiviert werden,
um zur Akzeptanz des Leitbildes „Naturnahe Gewässer“
beizutragen
- Zur Lösung von Einzelproblemen bzw. Bearbeitung von
Einzelthemen wird der Austausch mit Universitäten und
Wissenschaftlern gewünscht
- Zum weiteren Informationsaustausch und zur externen Kontaktaufnahme
dient die Internetdomain http://www.gewaesser-pragmatisch.de
- Weitere Medien wie Broschüren, Faltblätter etc.
zur Vermittlung von Handlungsempfehlungen sollen ausdrücklich
nicht erarbeitet werden.
Auch
der Begriff „Gewässer“ wurde bewusst gewählt, da
wir hierunter nicht nur den gesamten Wasserkörper mit
seinem Gewässerbett (Sohle), sondern ebenfalls die Ufer
und die Aue (und die hier integrierten Gewässerstrukturen)
verstehen (vgl. DIN 1996). Fachlich besteht hier also ein
Bezug zum integrativ-ökologischen Ansatz, der Gewässer
als ein komplex-vernetztes Ökosystem begreift. Hierunter
fallen Aspekte wie die lineare Durchgängigkeit von Fließgewässern
für Lebewesen von der Quelle bis zur Mündung; die
horizontale Verknüpfung mit den Ufer- und Auebereichen
und deren Puffer- und Retentionspotential für das Wasser
und dessen Frachten sowie die Gewässer-Strukturvielfalt;
die vertikale Beziehung des Oberflächengewässers
zum unterirdischen Grundwasser und zum atmosphärischen
Wasser (Niederschlag) sowie die Einbeziehung von Gewässerteilsystemen
innerhalb dieser linearen, vertikalen und horizontalen Vernetzung
(z.B. Stillgewässer, Altarme, Flutrinnen und Quellen
in der Aue). Neben den primär ökologischen Mehrfachfunktionen
steht der Begriff Gewässer aber auch für vielfältige
sozioökonomische Funktionen wie z.B. Freizeitnutzung,
Energiegewinnung, Fischzucht, landwirtschaftliche Nutzung,
industrielle Einleitungen, Landschaftsbild (emotionale Bindung),
Landschaftsästhetik (Eigenart und Schönheit) und
kulturhistorische Bedeutung. Das sind alles Aspekte, die aus
raumplanerischer Sicht beachtet werden müssen. Es gibt
also zahlreiche Interessen, aber auch der Gewässerschutz
braucht eine Lobby.
Die
Teilnehmer der AG Gewässer pragmatisch
Die
Arbeitsgruppe „Gewässer pragmatisch“ ist eine interdisziplinäre
AG, was für den integrativen Charakter von Gewässern
in der Landschaft spricht. Die Berufs- und Tätigkeitsfelder
der AG-Teilnehmer zeigen trotz der geringen Anzahl ein breites
fachliches Spektrum, wobei durchweg alle Akteure auf ihre
Weise im praktischen Gewässerschutz tätig sind.
Bisher haben an AG-Sitzungen teilgenommen (alphabetisch):
Dr. Reiner Cornelius (Naturschutzbund, Projektleiter „Lebendige
Fulda“), Herbert Diehl (Staatliches Umweltamt Marburg, Regierungspräsidium
Gießen), Christoph Dümpelmann (Philipps-Universität
Marburg, Fachbereich Biologie; Sachverständiger Fischökologie),
Jürgen Könnemann (Untere Naturschutzbehörde,
Landkreis Marburg-Biedenkopf), Uwe Krüger (Untere Naturschutzbehörde,
Landkreis Marburg-Biedenkopf), Dr. Ursula Mothes-Wagner (Auenzentrum
Hessen der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und
Naturschutz e.V.; Agentur Naturentwicklung Marburg-Biedenkopf),
Martin Reiss (Philipps-Universität Marburg, Fachbereich
Geographie; Fa. Ga-La-Plan Marburg) und Ralf Schneider (Amt
für Straßen- und Verkehrswesen Marburg, Land Hessen).
Darüber hinaus waren Gäste anwesend wie zum Beispiel
Prof. Dr. Christian Opp (Philipps-Universität Marburg,
Fachbereich Geographie) sowie Hospitanten und Praktikanten.
Zwar versteht sich die Arbeitsgruppe als offener Gesprächskreis,
doch für zukünftige Themen und Arbeitsschwerpunkte
sollen entsprechende Akteure und Experten gezielt als Multiplikatoren
eingeladen werden.
Tätigkeiten
und Arbeitsweise der AG „Gewässer pragmatisch“
Ein
offener Gesprächskreis als Arbeitskonzept für eine
Arbeitsgruppe muss trotz des Bedarfs an Diskussion und Disputation
in erster Linie strukturiert und demnach ergebnisorientiert
sein, wenn ein Ziel erreicht werden soll. So wurde vereinbart,
nach einem kurzen Wissenstransfer zu aktuellen Tätigkeiten
und Planungen der AG-Teilnehmer, zunächst den Themenkomplex
„Öffentlichkeitsarbeit“ zu bearbeiten. Hierfür wurden
Einzelthemen formuliert, die während einer AG-Sitzung
von einem Teilnehmer in Form von Vorträgen dargestellt
wurden. Diese Arbeitsweise hat sich als sehr nützlich
erwiesen, da so die Frage diskutiert werden kann, welche Anwendung
ein Thema für die jeweilige praktische Arbeit hat. Die
AG hat folgende Einzelthemen bearbeitet:
Medien
der Öffentlichkeitsarbeit (Ursula Mothes-Wagner)
Eine
Auswahl an Medien zur Öffentlichkeitsarbeit sollte einzelfallbezogen
vorgenommen werden, d.h. je nach Betrachtung der Einzelmaßnahme
bzw. des durchgeführten Einzelprojekts. Hierbei steht
die Schaffung einer breiten Akzeptanz in der Bevölkerung
im Vordergrund. Nach Einschätzung der AG „Gewässer
pragmatisch“ scheitert die Überzeugungsarbeit häufig
nicht wegen einer falschen Medienauswahl, sondern vor allem
bei der sprachlichen Umsetzung zur Projektdarstellung. Die
Übersetzung von Fachwörtern und planerischen Zielformulierungen
erscheint als entscheidend. Dies ist auch für die Sensibilisierung
zur Problemdarstellung wichtig, um aufzuzeigen, warum eine
Renaturierung oder Revitalisierung durchgeführt wird.
Einfache Patentrezepte lassen sich nicht finden, aber eine
Empfehlung kann es sein, entsprechende Medienexperten zu Rate
zu ziehen. Auch die Notwendigkeit von Effizienzkontrollen
(Vorher-Nachher-Vergleich) von Maßnahmen an Gewässern
kann ein Kriterium für die Überzeugungsarbeit sein.
Oft fehlen nämlich schlagkräftige Argumente zur
Begründung der Maßnahmendurchführung in Form
von Ergebnissen aus solchen Effizienzanalysen. Sinnvoll wären
Effizienzkontrollen als langfristige Monitoringprogramme,
die über eine Zeitspanne von 5 Jahren deutlich hinaus
reichen. Als ein weiteres Medium der Öffentlichkeits-
und Überzeugungsarbeit wird von der AG „Gewässer
pragmatisch“ die Informationsveranstaltung „im Gelände“,
also vor Ort an der Maßnahme angesehen (Das Motto: „Tue
gutes erfolgreich und rede darüber“). Hierzu sollten
Akteure wie Politiker, Bürgermeister, Behördenvertreter,
Unterhaltungsverbände, Interessen- und Naturschutzverbände
und interessierte Bürger eingeladen werden. Ankündigungen
von Vorort-Terminen können zumeist von bestehenden Pressestellen
publik gemacht werden, d.h. es entstehen keine externen Kosten.
Unter diese Kategorie zählen auch Vortragsveranstaltungen,
die beim Landkreis Marburg-Biedenkopf (Im Lichtenholz 60,
35043 Marburg) durchgeführt werden.
Klientelbeschreibung
und Interessenanalysen (Herbert Diehl)
Aufgrund
der genannten Mehrfachfunktionen von Gewässern existieren
auch zahlreiche Akteure am Gewässer, d.h. Personen, die
nach unterschiedlichen Motivationen gewässerbezogen handeln
(Akteur = Handelnder). Bezogen auf die Öffentlichkeitsarbeit
und die Akzeptanzschaffung für das Leitbild „Naturnahe
Gewässer“ ist es von besonderer Bedeutung, diese Akteure
zu typisieren und ihr gewässerbezogenes Interesse zu
analysieren, damit erkannt wird, „mit wem man es zu tun hat“.
Bestimmte Teilnehmertypen (Streitlustige, Querulanten, Schüchterne,
etc.) sind bei Diskussionen allgemein beschrieben (z.B. MEIER
2003) und man kann entsprechend methodisch darauf reagieren.
Doch die Motivation, also das zu vertretende Interesse der
Handelnden erscheint als Schlüssel zur effektiven und
positiven Überzeugungsarbeit. Hierzu wurde in der AG
„Gewässer pragmatisch“ die Klientel charakterisiert,
mit denen wir am meisten am Gewässer zu tun haben. Dann
wurden im Sinne einer „Mängelliste“ entsprechende Verbesserungsmöglichkeiten
protokolliert. Das heißt, es wurde aufgezeigt und diskutiert,
wie eine intensivere und verbesserte Überzeugungsarbeit
mit den entsprechenden Vertretern geleistet werden kann. Wichtigstes
Kriterium hierzu ist die Bereitschaft zur Diskussion. Um das
Leitbild „Naturnahe Gewässer“ zu vertreten, muss unablässig
mit den Akteuren gesprochen werden. Es muss darüber hinaus
Klarheit bestehen, dass der Angesprochene als Partner angesehen
wird, welcher nicht für sich alleine steht, und dass
man sich mit den jeweiligen Kompetenzen kooperativ ergänzen
kann. Zur Überzeugung stehen auch hier die Mehrfachfunktionen
von Gewässern im Hintergrund. Die Kommunen müssen
erkennen, dass es für sie eine Chance darstellt, trotz
unterschiedlicher Nutzungsansprüche an das Gewässer
eine naturnahe und dynamische Entwicklung an „ihrem“ Gewässer
voranzubringen. Zumal ihnen von Seiten der Fachplanungen ein
unterstützendes Projektmanagement angeboten werden kann.
Allgemein zeigt sich auch die Verknüpfung zum Thema Medien
der Öffentlichkeitsarbeit (siehe oben), da sich zur verbesserungswürdigen
Kommunikation bestimmte Medien, insbesondere Vorträge
und Vorort-Erkundungen (z.B. im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen)
anbieten.
Legendenbildung
im Alltag (Christoph Dümpelmann)
Ein
Phänomen in der Auseinandersetzung mit anderen Akteuren
an Gewässern sind häufig wiederkehrende Verherrlichungen
der Vergangenheit, die man vielleicht als „Früher-war-alles-besser“-Legenden
bezeichnen kann. Innerhalb der AG Gewässer pragmatisch
wurde die Frage verfolgt, wie man die fachlichen Aussagen
und Fakten solcher Legenden bewerten kann, um ihnen einen
Wahrheits- oder Unwahrheitsstatus zuzuordnen. Bei genauer
Analyse solcher Legenden, wenn man beispielsweise Datengrundlagen
recherchiert, kann man feststellen, dass es sich häufig
um „falsche Wahrheiten“ handelt. So konnte Christoph Dümpelmann,
der als unabhängiger Gutachter der Fischerei vom Land
Hessen bestellt wird, aus seiner mehrjährigen, detaillierten
Fisch-Fangstatistik nachweisen, dass die Aussage „die Fischfänge
in der Lahn sind zurückgegangen“ (also gibt es auch weniger
Fische) zu revidieren ist. Das heißt, ein Rückgang
ist nicht zu verzeichnen, denn der Trend ist gleichbleibend.
Offensichtlich scheint sich eine Selbsttäuschung fortzupflanzen.
Für die Überzeugungsarbeit belegt das Thema Legendenbildung
aus Sicht der AG „Gewässer pragmatisch“ eindeutig die
Notwendigkeit von Effizienzkontrollen und Monitoringprogrammen
an unseren Gewässern. Anhand konkreter Daten können
Empfindungen von Akteuren überprüft und ggf. revidiert
werden. Und das ist für die Umsetzung des Leitbildes
Naturnahe Gewässer eine Schlüsselfunktion in der
akzeptanzschaffenden Öffentlichkeitsarbeit.
Moderation:
Techniken und Methoden (Martin Reiss)
Die
Kenntnis und Methodenkompetenz von Moderationstechniken ist
für die Öffentlichkeitsarbeit unablässig. Mit
Hilfe der Moderation können Gespräche zu einem Ergebnis
geführt werden, d.h. trotz gegensätzlicher Meinungen
in Gruppen Lösungsansätze zu Problemauflösungen
gefunden werden. Es können aber auch Interessenkonflikte
dargestellt werden und in weiteren Prozessen einer Konfliktlösung
näher geführt werden. Moderation ist eine Form der
Gesprächsführung und eine Möglichkeit des Konfliktmanagements.
Hierzu reichen je nach Einzelfall bereits einfache Methoden
und Techniken der Moderation, die schnell zu erlernen sind.
In der Praxis besteht eine direkte Verknüpfung zu den
Themen „Klientelbeschreibung und Interessenanalysen“ und „Legendenbildung“,
die eine wichtige Grundlagenkenntnis voraussetzen, um Gespräche
entsprechend zu lenken. Vor allem zur Verbesserung der Kommunikation
zwischen unterschiedlichen Interessenvertretern kann die bewusste
Anwendung von Moderationsmethoden oft zu einer erheblichen
Effizienz führen. Aus Sicht der AG „Gewässer pragmatisch“
ist dies ein besonders defizitärer Bereich der Öffentlichkeitsarbeit,
zumal offensichtlich Handlungsbedarf angesichts der Forderungen
der EU-Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) besteht. Die Bewältigung
der Beteiligung der Öffentlichkeit zur nationalen Umsetzung
fachlicher Anforderungen aus der EU-WRRL wird das Thema Moderation
auf den Plan rufen, da entsprechende Dialoge gefordert werden.
Dass sich Akteure am Gewässer mit einer hinreichenden
Methodenkompetenz ausstatten, erscheint ratsam und zweckmäßig.
Auch innerhalb der Arbeitsgruppe erfolgt zur strukturierten
Erarbeitung der Einzelthemen eine moderierte Gesprächsführung.
Ergebnisse der Diskussionen werden in Sitzungsprotokollen
festgehalten und bieten so einen Ansatzpunkt für die
folgenden Arbeitsschritte in der AG.
Kooperationen
und Transfer mit der Wissenschaft
Eine
weitere AG-Sitzung wurde dem Thema „Themen zu wissenschaftlichen
Projekten und Arbeiten“ gewidmet. Hierzu wurden mit Prof.
Dr. Christian Opp vom Fachbereich Geographie der Philipps-Universität
mögliche Kooperationen besprochen. Hierbei hat die AG
„Gewässer pragmatisch“ eine Liste „potentieller Themen
für Diplom- und Examensarbeiten“ zusammengetragen. Es
ist zu betonen, dass die Ausrichtung solcher Arbeitsthemen
in besonderem Maße anwendungs- und praxisorientiert
ist. Die Klammer bildet hierbei der Wunsch der AG-Teilnehmer,
entsprechend geplante und ausgeführte Projekte wissenschaftlich
fundiert begleitet zu wissen. Vor allem hydrologisch-hydraulische,
hydromorphologische, bodenkundliche, artenschutzbezogene und
planerisch-gestalterische Aspekte stehen im Vordergrund des
Interesses. Hervorzuheben ist die Notwendigkeit einer gebündelten
(synoptischen) Analyse und Bewertung zahlreicher Einzelmaßnahmen
im Lahneinzugsgebiet, insbesondere an den bedeutenden Zuflüssen
im oberen und mittleren Einzugsgebiet. Ansätze zur Umsetzung
solcher wissenschaftlichen Projekte liegen vor (AUENZENTRUM
HESSEN 1998; REISS 2003) und bedürften lediglich einer
einzugsgebietsbezogenen standardisiert-methodischen Zusammenfassung
(Erprobung und Erarbeitung) bei Bereitstellung notwendiger
finanzieller Projektzuwendungen. Hinsichtlich der Überprüfung
der ökologischen und ökonomischen Effizienz von
Renaturierungs- und Revitalisierungsprojekten an Gewässern
unter Einbindung der Fachthemen Hochwasserschutz und naturschutzfachlicher
Gewässerschutz ein zwingend anstehendes Projekt, das
unter Einbeziehung der Anforderungen der Umsetzung der EU-WRRL
als Modellvorhaben dienen könnte. Die AG „Gewässer
pragmatisch“ als Netzwerk und Mittler von Multiplikatoren
würde sich in idealer Weise anbieten.
Zusammenfassung
und Ausblick
Abb.1:
Zusammenfassung des Status Quo des Arbeitsprozesses der Arbeitsgruppe
Gewässer pragmatisch.
Entwurf: M. Reiss
Renaturierungs-
und Revitalisierungsprojekte nach dem Leitbild „Naturnahe
Gewässer“ haben aufgrund der Mehrfachfunktionen von Gewässern
auf verschiedenen Ebenen positive Auswirkungen. Diese Effekte
müssen in vielfältiger Form über eine akzeptanzschaffende
und überzeugende Öffentlichkeitsarbeit verständlich
und nachvollziehbar „nach außen“ transportiert werden.
Damit dieser Transfer für einen integrierten und nachhaltigen
Gewässerschutz gelingt, hat sich in Marburg ein offener
Gesprächskreis zu einer Arbeitsgruppe (AG Gewässer
pragmatisch) gegründet. Die Arbeitsergebnisse dienen
in erster Linie den AG-Teilnehmern zur Anwendung, sollen aber
unbedingt Modellcharakter haben. Hierzu zählt vor allem
eine verbesserte und intensivere Kommunikationsstrategie,
um möglichst alle Akteure am Gewässer zu erreichen.
An Beispielen aus der eigenen Praxis (Behörde, NGO, Universität)
mit einem regionalen Schwerpunkt oberes und mittleres Lahn-Einzugsgebiet
(vornehmlich Landkreis Marburg-Biedenkopf) werden Strategien
und Arbeitskonzepte erarbeitet, um das Leitbild „Naturnahe
Gewässer“ in der Öffentlichkeitsarbeit umzusetzen.
In einem ersten Arbeitszyklus wurden ausgewählte Einzelthemen
bearbeit und Ergebnisse protokolliert (vgl. Abb.1).
Für einen zukünftigen Arbeitsprozess sollen nun
die bisherigen Arbeitsergebnisse zum Thema Öffentlichkeitsarbeit
in einen neuen Zyklus eintreten, der sich speziellen Themenkomplexen
widmen wird. Als vorrangiges Thema wird das „Flächenmanagement“
angesehen. Die Arbeit der AG Gewässer pragmatisch wird
sich darauf konzentrieren, entsprechende Konzepte und Instrumente
zu analysieren und zu entwickeln, die ein schnelleres und
effektiveres Landmanagement ermöglichen. Dabei werden
wir uns im Spannungsfeld „Konflikte mit der Landwirtschaft“
bewegen, wenn es darum geht, wie man an Flächen gelangt,
die benötigt werden, um Renaturierungs- und Revitalisierungsprojekte
auch in Zukunft an unseren Gewässern zu initiieren, zu
planen und durchzuführen. Und das dort, wo die Gewässer-
und Auelandschaften auf ihre naturnahe und eigendynamische
Entwicklung warten.
Bemerkung
und Danksagung
Der
vorliegende Artikel ist zugleich ein zusammenfassendes Ergebnisprotokoll
von über 1 ½ Jahren Arbeit der AG „Gewässer
pragmatisch“. Auch wenn hier nur ein Verfasser namentlich
zeichnet, so wäre das Ergebnis ohne die engagierte Mitarbeit
aller AG-Teilnehmer gar nicht möglich gewesen. Hierfür
möchte ich allen AG-Teilnehmer ausdrücklich und
recht herzlich danken. Ich wünsche uns, dass wir unsere
Utopie „Naturnahe Gewässer“ im Auge behalten und überall
dort, wo es möglich ist Realität werden lassen.
Pragmatisch eben.
Literatur