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Tagungsbericht
„Grundwasser – Lebensraum, Ressource, Schutzgut“
Landau, 14./15. April 2005
von
Hans Jürgen Hahn, Universität Koblenz-Landau, Campus Landau
und
Peter Rumm, FutureCamp GmbH, München
Grundwasser
ist der größte kontinentale Lebensraum Europas. Im europäischen
Grundwasser leben mindestens 2000 hochangepaßte, oft sehr
seltene Tierarten, von Einzellern über Würmer und Kleinkrebse
bis hin zu Fischen und dem weltweit bekannten Grottenolm. Von vielen
Grundwasserarten besitzen wir nur lückenhafte oder keine ökologischen
Daten. Fast unbekannt ist auch die typische Bakterienflora des Grundwassers.
Hinzu kommt, dass eine Berücksichtigung des Ökosystems
Grundwasser im geltenden nationalen und internationalen Recht bisher
nicht gegeben ist. Grundwasser wird auf unterschiedlichste Weise
genutzt und häufig können sich Interessenskonflikte ergeben,
die es abzuwägen gilt – dabei sollten auch die Belange des
Grundwassers als Ökosystem mit einbezogen werden. Die Tagung
unterstrich die vielfältigen Facetten des Grundwassers, vom
Lebensraum über die Nutzung als Wasserressource bis hin zum
rechtlich zu verankernden Schutzgut. Zur Diskussion dieser Aspekte,
trafen sich etwa 100 Fachleute aus ganz Deutschland, Österreich,
der Schweiz und Slowenien in Landau in der Pfalz.
Veranstaltet
wurde die Tagung gemeinsam von BMU, DGL, DVGW, DWA, FgHW, FH-DGG,
UBA, TZW und der Universität in Landau. Gekommen waren namhafte
Fachleute aus der Wasserwirtschaft, aus dem haupt- und ehrenamtlichen
Naturschutz, aus der Wasserversorgung sowie von Hochschulen und
Forschungseinrichtungen.
Der
thematische Bogen spannte sich von der Beschreibung des Lebensraums
Grundwasser und seiner Organismen über praktische Anwendungsmöglichkeiten
grundwasserökologischer Forschung, Altlasten und Konfliktfelder
im Umgang mit Grundwasser bis zu rechtlichen Fragen und Aspekten
des Arten- und Biotopschutzes für das Ökosystem Grundwasser.
In einer abschließenden Podiumsdiskussion wurden die Ergebnisse
des Tages zusammengefasst, aufbereitet und offene Fragen diskutiert.
Die Exkursion am zweiten Tage führte in den Pfälzerwald,
wo naturräumliche, hydrogeologische Besonderheiten und die
Auswirkungen von Wasserentnahmen auf die Grundwasserfauna besprochen
wurden. Daneben wurden verschiedene Methoden zur Entnahme von faunistischen
Grundwasserproben demonstriert.
Eine
wichtiges Ergebnis, sowohl aus den Vorträgen als auch aus der
Podiumsdiskussion, war, dass der fachübergreifende Austausch
zwischen Wasserversorgung, Wasserwirtschaftsverwaltung, institutionellem
Naturschutz (Behörden einschließlich der Naturschutzverbände)
und Forschung eine wichtige Voraussetzung dafür ist, um Antworten
auf Fragen von den jeweils anderen Disziplinen zu erhalten – Antworteten,
die aber nur selten so konkret gegeben werden konnten, wie sie erwartet
worden waren. Dies bestätigte einmal mehr, daß im Bereich
der Grundwasserökologie noch ganz erheblicher Forschungsbedarf
besteht, sowohl was das Verständnis von Grundwasserökosystemen
anbelangt, vor allem aber auch im angewandten Bereich. Eine zentrale
Forderung der Praktiker aus der Wasserversorgung und den Fachbehörden
war die Entwicklung belastbarer Kriterien für die Bewertung
von Grundwasserhabitaten. Dem Naturschutz war es ein wichtiges Anliegen,
das Grundwasser auch als Lebensraum im Bundesnaturschutzgesetz (und
damit auch in der Eingriffsregelung und im Biotop- und Artenschutz)
und in der EG-Grundwasserrichtlinie berücksichtigt zu sehen.
Anzustreben sei ein flächendeckender Grundwasserschutz, wichtig
für den Schutz der Grundwasserorganismen sei darüber hinaus
aber auch deren Schutz des Lebensraums bei kleinräumigen Eingriffen.
Als eines der größten Probleme beklagten die anwesenden
Wissenschaftler, die Schwierigkeiten bei der Finanzierung grundwasserökologischer
Forschung, die sich an der Schnittstelle zwischen angewandter Forschung
und Grundlagenforschung bewege. Dadurch werde die Antragstellung
bei öffentlichen und privaten Geldgebern sehr erschwert, Veränderungen
in der Förderpolitik seien daher dringend geboten.
Aus
Sicht der Veranstalter und wohl auch der meisten Teilnehmer war
die Tagung ein voller Erfolg. Erstmals ist es gelungen, Fachleute
aus ganz unterschiedlichen Disziplinen zu einer gemeinsamen Veranstaltung
über den Lebensraum Grundwasser zusammenzubringen. Die ganzheitliche
Betrachtung des Grundwasser, als Lebensraum, als Ressource und als
Schutzgut wurde von allen Seiten begrüßt und als die
zukunftsfähige Strategie für einen nachhaltigen Umgang
mit Grundwasser gesehen. Klar wurde aber auch, dass der Austausch
zwischen allen Beteiligten intensiviert werden muss.
Mit der Tagung ist nun ein Prozeß eingeleitet worden, der
zu einer anderen Wahrnehmung des Lebensraums Grundwasser in der
Öffentlichkeit führen soll. Die Ausrichter der Tagung
streben deshalb weitere Veranstaltungen zum Thema Grundwasserökologie
an. Als erster Schritt ist ein Expertentreffen im kommenden Herbst
geplant, wo die Strategien und Prioritäten für die weitere
Vorgehensweise festgelegt werden sollen.
Redaktioneller
Hinweis:
Beide Autoren sind Mitglieder im Arbeitkreis "Lebensraum Grundwasser"
der Deutschen Gesellschaft für Limnologie.
Mehr
Infos finden Sie auf den Internetseiten
der DGL.
Der
Arbeitkreis "Lebensraum Grundwasser" ist als offener AK
gedacht, an dem sich interessierte Menschen gerne aktiv beteiligen
können. Es finden zweimal im Jahr Sitzungen statt. Darunter
ein Workshop mit der Möglichkeit zur fachlichen Fortbildung.
Kontakt:
Dr.
Hans Jürgen Hahn
Universität Landau
Abteilung Biologie
Im Fort 7
76829 Landau
HjHahn@Uni-Landau.de
Tel.: (0 63 41) 280 211
Fax: (0 63 41) 280 341
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